Norbert Frey ist seit letzten Herbst Trainer der Kampfmannschaft 1 des SK St. Johann. Von Umstellungen, „Fahrten auf der Felge“ und mehr.
Das Ziel geschafft: Der SK St. Johann ist von der Regionalliga Tirol in die Regionalliga West (3.Liga) aufgestiegen. Die Ausgangslage dafür sei in den letzten Wochen gut gewesen, zurücklehnen und entspannen habe man sich aber nicht können, betont Trainer Norbert Frey. Der Job verlangte und verlangt nach wie vor seine volle Aufmerksamkeit. Er mag das. Er mag Herausforderungen, er hat in den 50 (!) Jahren seines Trainerlebens schon viele bewältigt und zahlreiche Teams zum Sieg geführt. In St. Johann wittert er eine Riesenchance für die kommenden Jahre: „Du hast eine Spitzenmannschaft. Wir bekommen ein neues Gebäude, verfügen über eine herrliche Sportanlage und können Vereinsgeschichte schreiben – was willst du mehr?“
Norbert Frey wurde 1961 in Nürnberg geboren und wuchs dort mit dem Fußballsport auf. Er hatte Talent und klopfte an beim Nachwuchskader des 1. FC Nürnberg. Nach einer schweren und langwierigen Verletzung war es jedoch schon im Alter von 17 Jahren vorbei mit den Träumen von Profisport. Er widmete sich deshalb wieder vermehrt seinen Ambitionen als Trainer, schon im Alter von 14 Jahren hatte er an der Seite seines Vaters eine U13 trainiert. Er wollte den „Jungs“ nun aber mehr mitgeben können und dafür sorgen, dass sie weiterkommen. Deshalb absolvierte er die notwendigen Ausbildungen und war mit 17 Jahren der jüngste Erwerber der B-Lizenz im Bayerischen Fußballverband. Parallel dazu machte er die Lehre zum Elektro-Maschinen-Monteur und arbeitete danach bei Siemens, wo er zuerst Transformatoren zusammenbaute und später die Betriebsanleitungen erstellte. Seine Freizeit und seine Leidenschaft – die gehörten immer dem Fußball.
Mit den Jahren wurde er als Trainer immer erfolgreicher, die Vereine wurden größer. Schließlich verpflichtete ihn die Spielvereinigung Greuther Fürth, U17 und U19 (Junioren-Bundesliga), dann holte ihn der 1. FC Nürnberg als U17 Junioren-Bundesligatrainer ins Team. Er hatte inzwischen auch die A-Lizenz gemacht und stand nun vor der Entscheidung, sich hauptberuflich dem Trainieren zu widmen. Er unternahm den Schritt jedoch letztendlich nicht, sondern entschied sich für den sicheren „Brotberuf“.
Alles weg
Daraufhin holte der DFB (Deutscher Fußball-Bund) Norbert ins Boot, der heute 64-Jährige nahm sich der Nachwuchsförderung an und trainierte zehn Jahre lang verschiedenste Auswahlmannschaften. Auch im Juniorinnen- und Damenfußball spielte er eine tragende Rolle. Auf der Suche nach neuen Aufgaben trainierte er in der Folge Kampfmannschaften (Herren) in den unterschiedlichsten Ligen. Aber wie kommt es, dass er heute in St. Johann lebt und hier die Kampfmannschaft trainiert?
Der Wechsel kam über familiäre Verbindungen zustande: Gemeinsam mit seiner Frau Carola, die seine Begeisterung für den Sport teilt, besuchte er immer wieder Sohn Christopher, der sich in St. Johann niedergelassen und hier eine Familie gegründet hatte. Während der Pandemie verbrachten sie auch ihren Urlaub in der Region und lernten ihre Vorzüge mehr und mehr zu schätzen. Und irgendwann war die Idee geboren, ganz nach „Sainihåns“ zu ziehen und die junge Familie zu unterstützen. Im September 2024 war es so weit: Norbert ging in Altersteilzeit; er und seine Frau ließen in Nürnberg alles zurück und bezogen eine Wohnung in St. Johann. „Freunde, die Jungs, die Vereine, alles weg“, sagt Norbert und fegt mit seiner Hand über den leeren Tisch. Ihm fiel die Entscheidung schwerer als seiner Frau, die schnell einen Arbeitsplatz fand und in ihrer Rolle als Oma aufgeht.
Es ergab sich etwas
Am Tag nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags ihrer neuen Wohnung fand in St. Johann ein Heimspiel statt. Norbert und Carola beschlossen vorbeizuschauen. In Nürnberg hatte Norbert bei einem Glas Wein im Scherz öfter mal davon gesprochen, einmal „im Ausland“ als Trainer arbeiten zu wollen. Vielleicht würde sich ja in der neuen Heimat etwas ergeben? Es ergab sich etwas, schon bald war Norbert Trainer der U12. „Das war natürlich nichts, was mich vom Hocker gehauen hat, aber es war ein Anfang“, erzählt er. Über Umwege kam der Kontakt zum SC Kirchberg zustande, er wurde ab Februar 2025 zusätzlich als Trainer der Kampfmannschaft engagiert und war mit dem Team sehr erfolgreich. Sein Vertrag enthielt jedoch eine Austrittsklausel. Jene wurde schlagend, als man seitens des SK St. Johann an ihn herantrat und fragte, ob die Möglichkeit bestünde, dass er ausschließlich für den St. Johanner Verein tätig sei. Ende August letzten Jahres war es dann so weit: Der SK St. Johann trennte sich vom Trainer der Kampfmannschaft 1, Norbert sollte ihm nachfolgen. Der Abschied von Kirchberg fiel nicht leicht – es lief gerade so gut. Auf der anderen Seite waren da die hohen Erwartungen, die man in St. Johann in den neuen Trainer setzte. „Das machte dann schon mal eine schlaflose Nacht“, erzählt Norbert. Doch die sportliche Herausforderung reizte ihn sehr. „Feuerwehr“ zu spielen und kurzfristig eine neue Mannschaft zu übernehmen – darin hat er Erfahrung.
Zwei Systeme
Die Mannschaft, so Norbert, habe ihm den Einstieg sehr leicht gemacht. Zuerst einmal verschaffte er sich einen Überblick über das Potential der Mannschaft, über Stärken und eventuelle Schwächen. Im Spiel wurde vorerst wenig umgestellt, im Training jedoch schon: „Alles ist wichtig für mich: Kondition, Grundschnelligkeit, taktisches Verständnis, Strategie. Gerade bei der Kondition gab es noch ausbaufähige Bereiche, daran haben wir in den letzten Monaten gearbeitet.“ Die Mannschaft habe „super mitgezogen“, erzählt der Neo-St. Johanner. Er habe die Spieler so kennengelernt, dass man mit ihnen über alles reden könne. „Das funktioniert von meiner Sicht aus hervorragend. Man ergänzt sich, das sieht man auch am Spielfeld, am Erfolg.“
Norbert Frey setzte auf mehr Kondition, und er feilte an der Strategie. Seine Mannschaften, erklärt er, können immer zwei Systeme spielen. Funktioniert eines davon bei einem Gegner nicht, stellt man um. Auch das wurde in den letzten Monaten trainiert und erfolgreich bei Matches umgesetzt: Den St. Johannern gelang es mehrmals, ein Spiel nach Rückstand zum eigenen Vorteil zu drehen. Noch „cleverer“ will Norbert mit seinen Mannen im Abschluss werden: „Torchancen müssen wir noch besser verwerten!“
Fahrt auf der Felge
Auch als Trainer der Kampfmannschaft 1 (KM1) steht Norbert noch mit den Buben der U12 auf dem Trainingsplatz. Die Nachwuchsarbeit liegt ihm immer noch am Herzen. Wenn dann ein 18-Jähriger bereits regelmäßig in der Anfangsformation auf dem Spielfeld steht und sehr gute Leistungen abruft, freut ihn das sehr. Denn: „Als Trainer fährst du da schon auf der Felge. Wenn das schief geht, wenn der Junge zwei Fehler macht und du bekommst zwei Tore, bist du als Trainer im A….“ Die jungen Talente würden das Vertrauen, das man in sie setzt, im Normalfall zurückzahlen. Dass man dennoch zusätzlich auch erfahrene Spieler von auswärts einsetzen müsse, wolle er aber nicht ausschließen.
Norbert und seine Frau haben sich in St. Johann gut eingelebt. „Tirol ist jetzt unsere Heimat, wir fühlen uns als St. Johanner und dazugehörig“, sagt Norbert. In den ersten Monaten sei es allerdings nicht ganz leicht gewesen, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Gerade aufgrund der Diskussion um Zweitwohnsitze, derer sie bald gewahr wurden. Sobald jedoch offensichtlich war, dass die Familie Frey gekommen ist, um zu bleiben, habe sich vieles zum Positiven verändert. Und als Trainer sei er nun ohnehin integriert, so Norbert.
Oft erkundet er seine neue Heimat mit dem Fahrrad, und er wandert auch gerne. Am öftesten aber ist er auf dem Fußballplatz anzutreffen. Es gibt immer wieder neue, lohnende Ziele. Zunächst einmal muss sich die Mannschaft in der neuen Liga behaupten. Norbert Frey wird sie begleiten. Die A-Lizenz, die es als Trainer dafür braucht, hat er in der Tasche.
Doris Martinz
