Heuer feiert „Lang & Klang“ sein 25-Jahr-Jubiläum. Erich und Tassos über Highlights, Herausforderungen und mehr.
Ein Blick in die Nachbargemeinde gab den Ausschlag: Fieberbrunn war seinerzeit Vorreiter mit der „Bummelnacht“, so etwas wollte man in St. Johann auch haben. Der Schwerpunkt sollte allerdings auf der Musik liegen, beschloss man im Tourismusverband. Die neue Sommer-Veranstaltungsreihe nannte man daher „Gute Laune mit Musik“, die Konzerte fanden von Anfang an immer mittwochs statt. Erich Rettenmoser war in jenen Tagen beim TVB bereits zuständig für den Bereich Events. Er organisierte die erste Veranstaltung und holte dafür einen Elvis-Imitator in die Marktgemeinde. Wie die Bühne aussah? „Sagenhaft, wir haben sie vor dem Postamt aus Schaltafeln gebaut, zwei mal zwei Meter groß, mit einem wackeligen, weißen Zelt drüber und einer Beschallung die nur aus einem Lautsprecher bestand“, erinnert sich Erich lachend. 75 Besucher:innen waren da, die Zahl bleibt ihm unvergessen. Insgesamt sechs Konzerte fanden im ersten Sommer statt, das Konzept stieß bei Einheimischen und Gästen gleichermaßen auf Wohlwollen. Um auch die Familien anzusprechen, kam später die Kinderspielstraße dazu, und man lud Gaukler und Artisten ein. Mehr und mehr Wirtinnen und Wirte stellten sich auf die Veranstaltungen ein, sie nutzten ihre Terrassen und schufen zusätzliche Sitzplätze im Freien.
Der Lauf der Zeit
In den ersten Jahren fragte Erich noch bei den Bands und Künstler:innen an, ob sie auftreten wollten. Bald schon war es umgekehrt, und die Musiker:innen fragten bei ihm an, ob sie auftreten dürften. Weil sich die Bands in St. Johann gut aufgehoben fühlten und ein fantastisches Publikum haben, das zum Teil von weit her anreist.
Während der Pandemie machte man aus der Not eine Tugend: „Live beim Wirt“ war geboren, mit „Lang & Klang“ folgte eine Mischung aus beiden Konzepten, der Bühnenkonzerte und der Musik bei den Gastronom:innen. Das Programm zum 25. Geburtstag enthält viele Highlights, für die Durchführung und Umsetzung zeichnet nun Tassos Theodorakopoulos verantwortlich – Erich verabschiedete sich mit Ende April nach unzähligen Veranstaltungen, die er für den TVB organisiert hatte, in den wohlverdienten Ruhestand. Zumindest beim TVB. Denn für „Stihl Timbersports“, eine internationale Extremsport-Wettkampfserie im Sportholzfällen, ist er nach wie vor als Aufnahmeleiter/Stage-Manager im Einsatz.
Herausforderungen
Wahrscheinlich kann und will Erich auf das Adrenalin nicht verzichten, mit dem das „Eventln“, wie er es ausdrückt, verbunden ist. Als Veranstalter, erklärt er, müsse man planen, organisieren, aber auch oft improvisieren und unvorhergesehene Herausforderungen meistern: „Das ist lässig. Man arbeitet Probleme ab, ist gefordert, muss sich oft auf die Schnelle etwas einfallen lassen. Ein gut strukturierter 9-bis-17-Uhr-Büroalltag wäre nichts für mich.“ Von neunzig Prozent der Arbeit, die ein „Eventler“ verrichte, bekomme man als Besucher:in einer Veranstaltung gar nichts mit, sagt er. Zum Job gehört auch viel Kommunikation mit den unterschiedlichsten Menschen und Institutionen. Und natürlich das Erstellen von Konzepten für Müll, Reinigung, Sicherheit und vieles mehr. Erich schüttelt den Kopf: „Die Mappe mit den Genehmigungen für den Knödeltisch war vor 15 Jahren zirka 25 Seiten dick, jetzt haben wir 140 Seiten.“ Trotzdem habe er seinen Job beim TVB immer geliebt. „Wenn alles klappt, ist das ein super Gefühl.“ Das sei oft so gewesen, sagt er zufrieden. Auch habe er immer auf ein tolles Team setzen können, das ihn unterstützte.
Dabei hatte Erich eigentlich nie davon geträumt, Events zu organisieren. Er wollte ursprünglich Sportlehrer werden. Nach dem Studium an der Sportuniversität in Wien arbeitete er als Schilehrer, zwei Jahre lang auch in Australien. Bei der heimischen Schischule, wo er danach beschäftigt war, organisierte er kleinere Veranstaltungen und rutschte so in die Eventbranche hinein. „Und zack, war ich beim TVB, 28 Jahre lang“, sagt er mit Wehmut in der Stimme.
Das war knapp
Ein Desaster, eine völlig verpatzte Veranstaltung, gab es also nie, aber fast: Erich erzählt vom Konzert einer angesagten Band, die an einem „Lang & Klang“-Abend um 20 Uhr auf der Hauptbühne auftreten sollte. Dass die Musiker:innen um 18:30 Uhr noch nicht da waren, schob er auf einen möglichen Verkehrsstau bei der Anfahrt. Als sie um 19 Uhr noch immer nicht vor Ort waren, rief er an und musste erfahren, dass es ein Missverständnis bei der Terminvereinbarung gegeben hatte – die Band hatte das Konzert für vier Wochen später eingetragen. „Da ist mir schon heiß geworden“, gibt Erich zu. Denn der Hauptplatz hatte sich schon mit vielen Konzertbesucher:innen gefüllt, die voller Vorfreude auf „ihre“ Band warteten. Aber die war nicht da. Erichs Adrenalinschub flachte erst ab, als die Band schlussendlich mit Verspätung eintraf. „Um 20:35 Uhr haben sie das erste Lied gespielt“, weiß Erich, als wäre es gestern passiert. Der Sound sei ohne Einstellung und Soundcheck nicht wirklich gut gewesen, aber das habe an jenem Abend keine Rolle mehr gespielt. Hauptsache, das Konzert konnte stattfinden!
Erich verhandelte im Laufe der Jahre mit vielen Künstler:innen, Musikgruppen und Bands – sogar mit „Gipsy Kings“ und „Status Quo“. Beide Konzerte scheiterten schlussendlich an der Finanzierung. Beim „Lang & Klang“-Jubiläum gibt es diesmal auch einen Mittwoch für die „Local Heros“ aus St. Johann.
Ein Traum wird wahr
2017 fand in St. Johann ein großes Beach-Volleyball-Turnier statt, mit-organisiert von Tassos. Tassos war Jahre zuvor in unsere Region gekommen, um einen Freund zu besuchen – und blieb hängen. Er hatte in seiner Heimat Griechenland Sportmanagement studiert, für den griechischen Volleyballverband gearbeitet, und machte später in Kufstein seinen Master in Sport, Event und Kultur. Und wen fragte er, wie man dies und das anstellt bei einem Großevent in St. Johann? Natürlich Eventmanager Erich. „Beim ersten Treffen habe ich mir gedacht, was für ein cooler Job“, blickt Tassos mit einem breiten Lächeln zurück. Zugleich reifte ihn ihm ein Wunsch, schon vor fast zehn Jahren: Er wollte eines Tages Eventmanager des TVB werden. Aufgrund verschiedenster Umstände kam es nicht dazu, Tassos wechselte nach seinem Job beim Ortsmarketing St. Johann für fünf Jahre zu einer Spedition, wo er für den Verkauf auf dem griechischen Markt zuständig war. Aufgrund einer internen Umstrukturierung sollte er letztes Jahr mit seiner Familie – Tassos ist verheiratet und hat zwei Kinder – nach Wien übersiedeln. St. Johann zu verlassen, das kam für ihn aber nicht in Frage.
Als er eines Tages mit seiner Frau auf dem Weg zum Wochenmarkt war, klopfte jemand in einem Lokal an die Fensterscheibe, um seine Aufmerksamkeit zu erregen – es war Erich. Diesmal klappte es, und Tassos bewarb sich beim Tourismusverband als Eventmanager. Ende letzten Jahres stieg er ein – ein Sprung ins kalte Wasser. Mit der Organisation von Sportevents hatte er Erfahrung, beim TVB erwartete ihn jedoch ein „riesiges Universum“ an Veranstaltungen, wie es Tassos ausdrückt. „Jetzt spiele ich in der großen Klasse“, sagt er strahlend. Für den 41-Jährigen ging ein Traum in Erfüllung.
Wie sich „Lang & Klang“ in Zukunft entwickeln soll, darüber will er noch nicht viel sagen, er möchte sich zuerst gut einarbeiten und auf sicheren Beinen stehen, bevor er Änderungen und eine Weiterentwicklung angeht.
Heuer neu bei „Lang & Klang“:
Zwei Insider-Infos kann ich Tassos entlocken:
An den „Lang & Klang“ Mittwochen wird heuer die Poststraße (Schmuck Wimmer bis Raiffeisenbank) gesperrt, hier wird sich jeweils ein St. Johanner Verein präsentieren. Zudem richtet man im neu gestalteten Dechantgassl (zwischen Postamt und Schulen) eine weitere Kinderspielstraße für die allerkleinsten Besucher:innen ein.
Tassos will außerdem neue Musikgenres nach St. Johann bringen, Konkretes verrät er dazu noch nicht. Er und Erich sind sich einig darin, dass eine Veranstaltungsreihe wie „Lang & Klang“ etwas Lebendiges ist, das sich entwickeln, wachsen und auch verändern kann. „Da die Musikszene für mich neu ist, kann ich das ganz unvoreingenommen angehen, darauf freue ich mich“, so Tassos. Er freut sich auch auf „The Queen Sensation“ und „Simply Tina“, zwei sehr erfolgreiche Cover-Bands, die heuer bei „Lang & Klang“ ein großes Publikum begeistern werden. Direkt vor Ort. Mit Familie und Freunden. Kostenlos, ohne Eintrittsgebühr. Dass man den Leuten das bieten kann, bringt Tassos Gesicht zum Leuchten. „Wahnsinn, oder?“ Finde ich auch.
Doris Martinz
