Michael Koidl, Sandra Schmid und Markus Trixl machen kleine und mittlere Unternehmen fit für die Zukunft.

Michael Koidl, Unternehmens- und psychosozialer Berater, arbeitete viele Jahre lang im Krankenhaus St. Johann und beschäftigte sich dort intensiv mit den Themen Führung, Struktur & Organisation sowie mentaler Gesundheit. „Eine Herzensangelegenheit“ nennt er diese Bereiche. Gemeinsam mit der Psychologin Sandra Schmid und dem Digitalisierungsexperten Markus Trixl betreibt er nun das Projekt „Mind at Work“, zusammen machen sie kleine und mittlere Unternehmen in der Region fit für die Herausforderungen der Zukunft. „Unsere Mission ist es, Arbeitswelten zu schaffen, die Menschen aus Überzeugung wählen und Firmen damit zu stärken“, erklärt er.

Es passiert einfach

Die Führung von Menschen in Unternehmen habe sich stark verändert, weiß Michael.­ Herkömmliches Führen sei geprägt durch das Industriezeitalter, durch das „Funktionieren“ aller Beteiligter. Noch immer, berichtet Michael aus seiner und der Erfahrung seiner Kollegen, seien Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen sehr stark operativ gebunden – sie haben viel Kontrolle über Informationen und Entscheidungen. Und sind oft entsprechend überlastet. Sie wirken sehr viel IM System, aber nicht AUF das System, sie gestalten und lenken nicht.
Das „Mind at Work“-Team unterstützt Unternehmer:innen dabei, Funktionen zu klären und gewachsene Strukturen zu hinterfragen. „Wenn ein Betrieb nach und nach immer größer wird und mehr Mitarbeiter:innen bekommt, ist oft irgendwann nicht mehr klar, wer wofür zuständig ist, wie die Abläufe und Informationswege sind und wo die Schnittstellen liegen. Das führt zu Doppelarbeit, Desinformation und Stressdynamiken. Das passiert einfach, ganz ohne böse Absicht“, so Michael.

Kontrolle führt zu Abhängigkeit

„Wie oft kommen Mitarbeitende mit einer Frage zu dir?“, so lautet eine der Schlüsselfragen an Führungskräfte und Chef:innen. „Da kommen oft große Summen heraus“, verrät Michael. Die hohe Zahl regt zum Reflektieren an und macht offensichtlich, dass Führungskräfte in vielen Fällen die Kontrolle über alles und jeden im Betrieb behalten wollen. Sie abzugeben, sei eine der größten Herausforderungen, speziell, wenn es um die eigene Firma geht. Dabei ist es ab einer Teamgröße von zirka zehn Mitarbeitenden gar nicht mehr möglich, die allumfassende Kontrolle zu behalten. Kon­trolle führt Mitarbeiter außerdem in Abhängigkeit: Wenn der Chef oder die Chefin immer sagt, was zu tun ist, können sich Teammitglieder nicht entwickeln. „Das produziert auf längere Sicht Dienst nach Vorschrift, und was darauf oft folgt, ist die innere Kündigung. Menschen wollen sich entwickeln, sie wollen selbständig arbeiten.“ Auch wenn der Veränderungsprozess möglicherweise schmerzhaft und herausfordernd für alle ist – er zahlt sich aus: Können sich Führungskräfte um wahre Führung – um Beziehungsgestaltung, Mitarbeitergespräche und Lenkung des Unternehmens – und nicht nur um das operative Geschäft kümmern, dann ergibt sich eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Und sie sind auch mental gesünder.

Niederschwelliger Zugang zu psychologischer Hilfe

„Jede dritte Krankschreibung ist auf psychische Probleme zurückzuführen, die durchschnittliche Krankenstanddauer beläuft sich in solchen Fällen auf 33 Tage“, weiß Michael. Auch aufgrund dieser alarmierenden Zahlen steige­ in den Betrieben das Bewusst­sein dafür, wie wichtig neben der physischen auch die psychische Gesundheit der Beschäftigten ist. „Mind at Work“ bietet psychosoziale Beratung durch Michael Koidl und arbeitspsychologische Beratung sowie klinisch-psychologische Behandlung durch Sandra Schmid an. Unternehmen können Pakete erwerben, Mitarbeitende buchen daraus Coachings – selbstverständlich anonym. Führungskräfte erfahren lediglich davon, wenn eine Leistung aus dem Kontingent in Anspruch genommen wurde. Das niederschwellige Angebot kommt sehr gut an, das zeigen die Erfahrungen: „Mitarbeitende wenden sich richtigerweise auch bei familiären Problemen oder mit Arbeitsplatz-Themen an uns. Viele hätten sonst keinen Zugang zu Beratung oder Behandlung, sie schätzen die Möglichkeit sehr.“

Neuer Blickwinkel

Das Angebot von „Mind at Work“ trägt dazu bei, Unternehmen für Arbeitskräfte attraktiv zu machen – in Zeiten des viel zitierten „Arbeitskräftemangels“ ein nicht unerhebliches Argument. Wiewohl der Mangel oft hausgemacht sei, so Michaels Meinung. „Es gibt Unternehmen, die haben immer genug Leute. Natürlich hängt es auch von der Branche ab. Aber auch damit, dass man junge, engagierte Teammitglieder verliert, wenn Führung, Organisation oder Struktur nicht passen.“ Junge Arbeitskräfte, so Michael, haben heute einen anderen Blickwinkel. Sie wissen, dass sie wahrscheinlich bis zu ihrem 75. Lebensjahr arbeiten müssen und wollen nicht 50 Stunden in der Woche am Arbeitsplatz verbringen. Ihre Lebensziele haben sich verändert, sie wollen Sinnhaftigkeit in ihrer Tätigkeit erleben. „Die Herausforderung ist, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, dabei können wir helfen.“ Oft sei die Problematik gar nicht so komplex, wie angenommen, kleine Veränderungen würden oft große Wirkung nach sich ziehen.

„Wir brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer, die Eigenverantwortung übernehmen und bereit sind, auch an sich selbst zu arbeiten, um die Zukunft ihres Betriebs zu sichern“, unterstreicht Michael Koidl. Er weiß: Die Region verfügt über Menschen, die das Potential haben, gut durch die Krisen zu kommen und an den Herausforderungen zu wachsen.
Doris Martinz

Mind at Work
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