Im Herbst feiern Michaela und Jacqueline den Abschluss ihrer Pflegeausbildung, Laura startete bereits im Medicubus.
Vom wunderbaren Gefühl, zu berühren und berührt zu werden.
Michaela Rojacher war früher nicht – wie heute oft – mit dem Fieberthermometer in der Hand unterwegs, sondern mit Rolle und Pinsel – sie ist gelernte Malerin und malte unter anderem die Wände im Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol aus. Heute lacht sie, als sie davon erzählt. Lange Zeit habe sie sich nicht vorstellen können, jemals etwas anderes zu tun, sagt sie. Denn das hätte ja bedeutet, dass sie wieder die Schulbank drücken müsste, und das wollte sie damals auf keinen Fall. Es kam anders: Nach der Geburt ihrer beiden Töchter Jacqueline (24) und Laura (17) stellte Michaela, heute 44 Jahre alt, fest, dass sich das Muttersein mit der Arbeit auf den Baustellen kaum vereinbaren ließ. Eine Alternative war gefragt. Über eine Freundin, die dort arbeitete, kam sie als Stationsservice-Kraft ins Krankenhaus St. Johann. Dass das kein Job war, den sie bis zur Pensionierung machen wollte, war Michaela bald klar. Sie informierte sich über eine Pflegeausbildung – und bekam von verschiedensten Seiten zu hören, dass dies mit zwei kleinen Kindern ganz unmöglich sei. Irgendwann jedoch erfuhr sie von der Möglichkeit, sich an der SOB (Schule für Sozialbetreuungsberufe) in Saalfelden ausbilden zu lassen, sie ergriff die Chance.
Die beste Entscheidung
Nach zweieinhalb Jahren, an denen sie dreimal wöchentlich abends die SOB besuchte, schloss sie als Pflegeassistentin und Fachsozialbetreuerin ab. „Das war nur möglich, weil mein Mann und meine Schwiegermutter mich unterstützten“, betont Michaela. „Den Weg dieser Ausbildung zu gehen, war aber definitiv die beste Entscheidung meines Lebens.“
Neun Jahre lang arbeitete Michaela danach im Pflegeheim St. Johann, letztes Jahr im Herbst startete sie im Medicubus mit der Ausbildung zur Pflegefachassistentin. „Ich wollte einfach noch mehr wissen, noch mehr können“, sagt sie. Worin liegt für sie der Reiz der Pflege, eines Berufs, der so ganz anders ist als das Handwerk, aus dem sie ursprünglich kommt? „Man berührt die Menschen. Nicht nur körperlich, sondern auch im Herzen“, antwortet sie auf meine Frage. „Und man wird auch selbst berührt, es ist immer ein Austausch. Das fühlt sich einfach gut an.“
Anders als erwartet
Als Michaela ihrer Tochter Jacqueline riet, ein paar Wochen ihres Praktikums, das sie an der LLA Weitau zu leisten hatte, im Pflegeheim zu absolvieren, winkte jene ab. Was sollte sie mit „alten Leuten“ anfangen? Schließlich ließ sie sich jedoch überreden, es zumindest für zwei Wochen zu versuchen. Was passierte? Jacqueline fühlte sich sofort wohl im Team, und es machte ihr richtig Spaß, sich im Blutdruckmessen zu versuchen und die Fachkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. „Ich habe es dann richtig bedauert, dass es nur zwei Wochen waren“, gesteht Jacqueline schmunzelnd. Nach Abschluss der LLA Weitau war für klar, dass sie – wie ihre Mutter – in den Pflegeberuf einsteigen wollte. Allerdings klappte es mit der Aufnahme in die Diplomausbildung im Medicubus nicht. Plan B bestand in der SOB Saalfelden; nach zwei Jahren schloss sie als Pflegeassistentin, Demenzbegleiterin und Fachsozialbetreuerin ab. Es folgte die Ausbildung zur Pflegefachassistentin in Schwaz, danach nahm sie ihre Arbeit in der Abteilung Orthopädie im KH St. Johann auf – die Diplomausbildung immer im Hinterkopf. 2024 stieg sie schließlich in den Kurs ein, im Herbst dieses Jahres wird sie ihr Diplom in der Tasche haben und gemeinsam mit ihrer Mama den (vorläufigen) Abschluss ihrer Ausbildung feiern. Was ist es, das sie in ihrem Beruf glücklich macht? „Man kann den Menschen helfen, das fühlt sich einfach gut an“, sagt sie. Viele ihrer Freundinnen und Bekannten seien der Meinung, dass sie nicht in der Pflege arbeiten könnten. Weil sie den Beruf oft auf einen Teilbereich der Pflege, auf die Körperpflege der Patient:innen, reduzieren. „Aber das ist nur ein kleiner Teil dessen, was wir tun, Pflege ist so viel mehr“, weiß Jacqueline. „Wir sind Psychologen, Seelentröster, Therapeuten und noch viel mehr“, pflichtet ihre Mutter Michaela bei. „Das ist echt schön.“
Und weil das so ist, wird auch Laura, Michaelas jüngere Tochter, den Pflegeberuf ergreifen. Früher kam sie nach der Schule oft ins Pflegeheim, um dort ihre Mutter abzuholen. Sie beschäftigte sich mit den Bewohner:innen und spürte, wie wertvoll die Zeit war, die sie ihnen widmete. „Ich will Kinderkrankenpflegerin werden“, sagt sie heute bestimmt. Im Zuge ihrer schulischen Ausbildung an der LLA Weitau – sie hat sich für den Pflegezweig entschieden – ist sie immer wieder im Medicubus anzutreffen. Nach der Schule will sie in das Bachelor-Studium einsteigen, so der Plan. Und was eine Rojacher sich vornimmt, das macht sie auch …
Doris Martinz
