Per Roadtrip nach Apulien – denn das schönste Ding der Welt ist die Welt selbst (Stevens). Eine Reise mit Kind & Kegel zwischen Palmen und Pürierstab.

„Erste Reise als Familie im Camper Van,“ schrieben mein Mann und ich mit schwarzem Edding auf unsere Wunschliste für 2026. Heute, fast ein halbes Jahr später, ist der Traum von unserem Abenteuer zur Erinnerung geworden: drei Wochen Freiheit auf vier Rädern – mit Baby und Hund an Bord und der ein oder anderen Lektion fürs Familienleben.

Unser Zuhause auf vier Rädern

Lektion Nummer Eins: Als Familie braucht man (bzw. wir) Platz! Offen gesagt hätte ich mich nie in einem Wohnmobil reisen sehen – viel zu sehr war ich kultigen Reisebussen verfallen. Doch je mehr wir uns informierten, desto mehr gefiel uns die Vorstellung, wie eine Schnecke in unserem eigenen kleinen Haus unterwegs zu sein. Besonders zwei Dinge waren für uns letzten Endes entscheidend: eine „Garage“, in der Buggy, Buckelkraxe, Fahrrad, Tisch mit Stühlen und stapelbaren Boxen und vieles mehr mühelos Platz fanden sowie ein riesiger Kühlschrank mit großzügigem Kühlfach – unser Sohn würde ja schon Beikost bekommen und da würden wir allerhand zum Kochen benötigen.
Ready for Adventure
Nach der Buchung rückte der Urlaub fürs erste in den Hintergrund. Viel zu spannend und kurzweilig war (und ist nach wie vor!) der Alltag mit Kleinkind. Wir einigten uns darauf, ganz spontan über die Ostküste Italiens Süden zu erforschen. Somit war im Vorfeld wenig zu organisieren: Campingplätze buchen wollten wir immer nur kurzfristig, den Pass unseres Sohnes hatten wir bereits (unsere waren noch aktuell), nur die Tollwut­impfung von unserem Hund musste aufgefrischt werden.
Kurz vor dem Abholtermin des Wohnmobils war ich überzeugt: wir waren vollkommen verrückt geworden! Ohne Planung mit Kleinkind und Hund ins Ungewisse aufbrechen – ich sah uns schon an ominösen Autobahnraststätten campieren und unseren kleinen Schatz vor Hunger und Unzufriedenheit weinen… Besonders die Woche vor der Abfahrt war super turbulent, und so startete ich mit dem Packen erst, als wir das Wohnmobil abholten…

Es geht los!

Das Einräumen ist bei uns immer so eine Sache. Einerseits sind wir voller Vorfreude und wollen so schnell wie möglich los, gleichzeitig soll aber alles auf seinem Platz sein, während der Fahrt nicht klappern, und dazu noch dekorative Heimeligkeit ausstrahlen. Wir waren uns sicher – dieses Mal würde es Ratz-Fatz gehen, immerhin hatten wir so viel Platz wie noch nie! Und viel gechillter, was Ordnung angeht, waren wir ja seitdem wir Eltern sind auch … In der Praxis brauchten wir länger als je zuvor, wir hatten es ziemlich unterschätzt, wie langsam man ist, wenn immer eine Person aufs Kind schaut. Meine geliebte Babytrage war hier auch keine große Hilfe, da es mit den Kisten zum Einräumen dann doch ein wenig eng wurde.
Letztlich packten wir vor allem für unseren Kleinen gefühlt alles ein, ebenso wanderten sämtliche Kühlschrankreste – darunter ein Krautkopf – kurzerhand mit in den riesigen Kühlschrank. Während in meinem Kopf schon allerhand Rezeptideen für das gesunde Gemüse kursierten, überraschte uns meine Mama mit dem wohl genialsten Abschiedsgeschenk: einem Körbchen voller frisch gekochter Beikost das wir alles einfrieren konnten. Somit war das Überleben für unseren kleinen Schatz schon mal gesichert!
Irgendwann waren wir dann tatsächlich startklar und unser zu Hause auf vier Rädern rollte los. Herrlich, wieder on the Road zu sein! Mein Mann fuhr, ich recherchierte Stellplätze und wurde zur Entertainerin, wenn unser Kind munter wurde. Wir timeten die Fahrten zu seinen Schlafzeiten und kamen so wider Erwarten ziemlich flott voran. Wir erreichten mit Stopps in Mantua, San Marino und Rimini gemütlich die Region Abruzzen – vom Strand aus lächelten uns die schneebedeckten, mächtigen Gipfel zu. Das war auch der Ort, an dem wir uns Entschieden, unseren Traum von Apulien wahr werden zu lassen – auch in der Hoffnung, dort abends ohne der Primaloft-Jacke sitzen zu können.

Der Duft von Jasminblüten

Wir wollten den Stiefel-Absatz Italiens an seinem nördlichsten Bereich erkunden und fuhren über verschnörkelte Bergstraßen durch den Nationalpark Gargano, das azurblaue Meer blitzte dabei immer wieder durch die dichten Pinienwälder. Mit einem Mal eröffnete sich uns eine weiße Stadt, die sich an eine Bergwand schmiegte: Peschici.­ Wir waren begeistert von jenem Anblick und fanden einen Campingplatz direkt an einer Bucht, von wo aus wir fußläufig in die Stadt spazieren konnten. Die Vorsaison war deutlich spürbar und wir durften unseren Stellplatz zwischen Palmen frei wählen. Auf unserer Erkundungstour überkam uns generell das Gefühl, als würde das Städtchen aus einer Art Winterschlaf erwachen: überall wurde gepinselt, „gegagschtlt“, repariert, und die Blicke, mit denen wir bedacht wurden, sagten weniger „Herzlich willkommen“ als vielmehr „Was wollt ihr denn schon hier?“. Außer uns schienen kaum Touristen jene Ortschaft gefunden zu haben, und so ganz wohl fühlten wir uns im ersten Moment nicht. Wir erklommen dennoch die Altstadt mit seinen weißen Häusern und Gässchen über eine steile Straße, wo sich uns ein wunderschönes Panorama auf das Meer, die Bucht und Umgebung zeigte. Es duftete herrlich nach Jasminblüten und es war angenehm warm und sonnig. Auf dem Rückweg blieben wir in einer Strandbar hängen – und wurden mit dem wohl schönsten Sonnenuntergang, den wir je gesehen hatten, überrascht.

Es sind die kleinen Dinge

Der Campingplatz war ziemlich einfach, man brauchte Münzen zum Duschen und brachte sein eigenes Klopapier mit. Dennoch hatten wir uns hoffnungslos in jenen Ort verliebt – die Bucht mit seinem hellen Sandstrand, das Restaurant direkt am Meer mit Blick auf den Sonnenuntergang beim Abendessen, das weiße Städtchen, das im Abendlicht rosafarben schimmerte… Man hört es wohl schon raus – den Krautkopf nahmen wir wieder mit nach Hause. Gegen die Küche der italienischen Mama, die vor allem für ihre Fischgerichte auch bei den Einheimischen weithin bekannt war, verlor jede Alternative. Orecchiette allo Scoglio, Troccoli alle Vongole, Pizza und ­Bruschetta – mir läuft noch jetzt beim ­Schreiben das Wasser im Mund zusammen. Lediglich für unseren Sohn schwang ich, als Omamas Vorräte langsam zur Neige gingen, den Kochlöffel und Pürierstab – und legte damit fast das ganze Stromnetz am Campingplatz lahm. Glücklicherweise war der Fehler von meinem Mann schnell behoben – das Kochen beschränkten wir dennoch auf ein Minimum.
Was Aktivitäten betrifft, habe ich auf dieser Reise eine weitere Lektion gelernt: weniger ist mehr! Auch wenn uns die Ausflüge nach Alberobello zu den Trulli, ins schneeweiße Ostuni und romantischen Polignano a mare sehr gut gefielen, waren es die kleinen Momente, die uns am meisten berührten. Dazu gehörten: Das erste Mal die Füßchen von unserem Sohn ins Meer halten, seine Freude beim Sandspielen zu sehen, ihm ein Stückchen vom Pizzarand zu geben, vom Milchschaum kosten lassen – und natürlich jenen traumhaften Sonnenuntergang beim Abendessen genießen. Das Sandmännchen überraschte uns dabei mit seiner Flexibilität – und so waren auch das ein oder andere Gläschen zu zweit, während Sohnemann schlief, drin. Unsere Urlaubstage vergingen in Nu und zum ersten Mal verspürten wir Wehmut bei der Abreise.
Die soll aber nur kurz anhalten, denn auf unserer Rückreise trafen wir auf Omama, Opapa sowie Onkel und Tante – und konnten so die Freude am Erlebten teilen. Gemeinsam ging es über die Toskana nach Livorno, wo unser Freund mit vier Pfoten einen Seeigel aufgabelte – aber das ist eine andere Geschichte, und soll ein andermal erzählt werden… Am Gardasee nahm unser Urlaub ein stimmiges Ende – Arrividerci Bella Italia, bis ganz bald!

Viktoria Defrancq-Klabischnig