Wenn mit dem Einkommen kein Auskommen ist, hilft die Tafel des Roten Kreuzes. Barbara Bärnthaler und ihr Team erzählen …

Ich habe so viel Glück in meinem Leben gehabt, da möchte ich auch etwas zurückgeben. Ich könnte es mir ohne Tafel gar nicht vorstellen“, sagt Barbara. Sie ist seit vielen Jahren Bezirksleiterin der Tafel des Roten Kreuzes und betreut die insgesamt fünf Ausgabestellen für Lebensmittel. In der Tafel der Bezirkshauptstadt arbeitet sie als stellvertretende Leiterin mit. Bezugsberechtigt sind Menschen, deren Einkommen eine definierte Grenze unterschreitet. Nach Vorlegen ihres Einkommensnachweises erhalten sie in der Tafel einen Bezugsschein. Kein einfacher Schritt, besonders für Einheimische, die oft noch nie zuvor in ihrem Leben Hilfe annehmen mussten. „Die Scham ist manchmal groß, aber sie ist völlig unbegründet. Jeder von uns kann in eine schwierige Lage geraten, sei es durch Krankheit, einen Unfall oder sonstige Umstände. Wir fragen nicht. Wir helfen, finanzielle Notlagen zu überbrücken, und das tun wir gerne“, so Barbara. 130 Bezugsberechtigte sind derzeit in der Tafel Kitzbühel registriert, jeden Samstag kommen zwischen 65 und 75 Menschen, um ihr „Körbchen“ abzuholen. Jenes enthält Lebensmittel im Wert von zirka 25,- Euro. Es ist Geld, das sich Betroffene sparen und für Schuhe oder einen Wintermantel ausgeben können. Fast die Hälfte der Bezugsberechtigten in Kitzbühel sind Einheimische.

Ein gutes Werk tun

In der Tafel St. Johann hilft Karin Czedziwoda bei der Ausgabe der Lebensmittel an aktuell 55 Berechtigte. Unter ihnen weniger Einheimische; es sind vor allem Flüchtlinge aus der Ukraine, die sich schwer damit tun, ihren Lebensunterhalt in der Region aus eigener Kraft zu stemmen. Die Verständigung sei nicht immer leicht, sagt Karin, weil manche nach wie vor kein Deutsch sprechen würden. „Manchmal führt das zu schwierigen Situationen. Aber die meisten sind nett und dankbar für die Hilfe, die sie bekommen.“ Deshalb ist Karin nach wie vor mit viel Motivation und Herz bei der Sache. „Uns geht es so gut, wir können uns alles kaufen, da tust du halt ein gutes Werk.“
Die Körbe, die ausgeteilt werden, enthalten Lebensmittel, die von den regionalen Supermärkten, Bäckern und Gemüsebauern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Manche sind nicht mehr lange haltbar, aber alle sind in einwandfreiem Zustand. Die „Tafel“ leistet damit auch einen wichtigen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. Freiwillige Mitarbeiter:innen des Roten Kreuzes sammeln die Ware am Samstagmorgen ein und bringen sie zu den Tafeln, wo sie eingeräumt und ausgegeben werden. Es ist immer Ware da, aber natürlich fehlt es manchmal an Milch oder Eiern, die besonders stark nachgefragt sind. Barbara kauft von Spendengeldern, die das Rote Kreuz gesammelt hat, immer wieder auch Ware ein. „Wer uns in der Tafel unterstützen will, kann auch zweckgebunden an das Rote Kreuz spenden“, informiert die Jochbergerin. „Ein Bekannter von mir hat einmal bei seiner Geburtstagsfeier Geld gesammelt für die Tafel, das war auch eine tolle Sache!“

Barbara Bärnthaler ist seit 40 Jahren Mitglied beim Roten Kreuz, früher stand sie auch im Rettungseinsatz. Als sie Mutter wurde, konzentrierte sie sich auf soziale Dienste, und als 2010 die Tafel gegründet wurde, auf diesen Bereich. „Es gibt so viele schöne Momente“, sagt die 60-Jährige. „Die Menschen freuen sich über eine Packung Kekse, über Gummibeeren für ihr Kind, man kann ihnen frohe Momente schenken. Und das macht auch mich selbst glücklich.“

Mehr Frauen

Seit Anfang des Jahres sind in Kitzbühel einige Bezugsberechtigte dazugekommen, es sind vor allem Frauen. Frauen, die Kinder großgezogen haben, Eltern oder Schwiegereltern gepflegt haben und nach dem Tod ihres Mannes oder nach einer Trennung nun mit ihrer Mindestrente nicht auskommen. „Da muss nur einmal eine Zahnbehandlung anstehen, dann geht es sich nicht mehr aus“, weiß Barbara.
Sie selbst hat gleich zwei Teilzeitjobs, im November dieses Jahres wird auch sie in Pension gehen. Nicht aber bei der Tafel. „Ich liebe leuchtende Gesichter und bin ein wenig süchtig danach, Leute glücklich zu machen“, gesteht sie und lacht. Wer ihr selbst Gutes tun will, hat es allerdings nicht leicht. Geburtstagsüberraschung? „Bitte nicht“, winkt Barbara ab. Sie gibt lieber, als sie annimmt.
Wer will das Team der Tafel unterstützen? Es braucht immer Freiwillige, die beim Einsammeln und Abgeben der Lebensmittel helfen. Ein Gehalt gibt es dafür nicht – aber das gute Gefühl, anderen helfen zu können und den Blick in glückliche Gesichter.
Doris Martinz

 

Öffnungszeiten Tafel im Bezirk Kitzbühel:

Kitzbühel: Stadtwerke Kitzbühel SA 14–16 Uhr
St. Johann: Ortsstelle St. Johann SA 16–17 Uhr
Kössen: Wache Kössen SA 15–16 Uhr
Brixental: Erlenseeweg 2, Brixen SA 17–18 Uhr
Pillerseetal: Spielbergstr. 1, Fieberbrunn SA 16–17 Uhr