Nach einem schwierigen Anfang erfreut sich das Kursangebot nun großer Beliebtheit – das EKIZ hat sich etabliert.

Jetzt müssen wir nicht mehr grundlegend für das Eltern-Kind-Zentren, kämpfen, wir haben eine wichtige Schwelle überwunden“, zeigt sich die geschäftsführende Obfrau des Vereins erleichtert. Inzwischen, sagt sie, hätten auch die Gemeinden im Umland Bedarf und Mehrwert der Einrichtung erkannt. Bei der Generalversammlung Anfang März, bei der auch Andrea Hauser vom Familienausschuss der Gemeinde St. Johann anwesend war, blickte man zurück auf einen schwierigen Anfang im Jahr 2023: Damals stellte man in allen Gemeinden im Einzugsgebiet das Konzept vor, fand aber wenig Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung. Einzig in der Gemeinde St. Johann war man sofort überzeugt von der Notwendigkeit, mit dem EKIZ eine wichtige Anlaufstelle für junge Familien zu schaffen und Eltern bei Fragen rund um Schwangerschaft, Erziehung und den Familienalltag zu begleiten. Insgesamt unterstützen 32 Eltern-Kind-Zentren Familien flächendeckend in allen Tiroler Bezirken. Die Einrichtungen sind über die Plattform EKiZ Tirol vernetzt, welche den Austausch und die Zusammenarbeit der einzelnen Vereine koordiniert. Große Ehre für Miriam Steiger: Obwohl das EKIZ St. Johann das jüngste in Tirol ist, wurde sie zur Vizepräsidentin der Plattform gewählt und noch dazu für den Frauenpreis 2026 des Landes Tirol nominiert. Bei Drucklegung war die Wahl noch nicht entschieden.

Am Anfang war das Ehrenamt

Inzwischen hat sich das EKIZ-Angebot etabliert, die Kurse der zirka 20 Vortragenden sind gut gebucht und immer öfter auch ausgebucht. „Die Leute wissen jetzt, wofür wir stehen“, so die Obfrau. Einzelne Kurse gab es freilich auch früher schon; im EKIZ hat man nun jedoch eine Struktur geschaffen, die langfristig bestehen bleibt und auch in Zukunft funktionieren wird. „Architektin“ dieser Struktur ist Miriam Steiger, die das EKIZ St. Johann mit Unterstützung einer Handvoll weiterer Beteiligter und viel persönlichem Einsatz ins Leben rief. 2024, rechnet sie vor, habe sie für das EKIZ wohl über 500 ehrenamtliche Stunden geleistet. Die gesamte Aufbauarbeit zuvor sei ebenfalls finanziell nicht abgegolten worden, inzwischen ist sie jedoch für 20 Stunden in der Woche vom Verein angestellt. Bei so viel Einsatz stellt sich die Frage nach dem persönlichen Antrieb: Warum investiert man so viel Zeit in ein Projekt? „Ich habe in der Schwangerschaft und frühen Mutterschaft in der Region Innsbruck Land gewohnt und selbst erlebt, wie viel Halt und Sicherheit ein EKIZ geben kann“, antwortet Miriam auf meine Frage. Und sie nennt noch einen weiteren wichtigen Punkt: Als Ergotherapeutin habe sie Einblick in viele Familien gewonnen und festgestellt, dass der Leidensweg oft lang, der Druck hoch ist. Wenn es eine Einrichtung gibt, an die sich Familien niederschwellig wenden können, wenn zum Beispiel die Dinge zwischen Eltern und Kind von Anfang an gut laufen und Probleme schon im Keim erstickt werden, dann brauche es später vielleicht keine Nachhilfe oder psychologische Betreuung. „Gerade bei Kindern liegt mir Prävention sehr am Herzen.“

Auch der Papa half mit

Aber auch Eltern brauchen mitunter Unterstützung, wenn für sie eine neue Lebensphase beginnt, oder wenn Generationsthemen aktuell werden. „Weil mir das alles bewusst ist, konnte ich im Prinzip gar nicht aufhören oder aufgeben, auch wenn es anfangs aufgrund personeller Veränderungen und finanzieller Herausforderungen schwierige Phasen gab“, so die 41-jährige St. Johannerin. Mehr als nur einmal habe ihr Vater dem Verein mit finanziellen Zuschüssen ausgeholfen, die Privat-Darlehen seien aber schnellstmöglich zurückgezahlt worden. Ihr Rezept für den Erfolg des EKIZ: „Nicht zu früh aufgeben und den Menschen in der Region Zeit geben, in die neue Einrichtung zu vertrauen.“
Das EKIZ zu gründen und zum Erfolg zu führen, dafür brauchte es also gute Nerven, Ausdauer und Mut – allesamt Attribute, die wohl zu Miriams Nominierung für den Frauenpreis beitrugen.
Was wünscht sie sich für die Zukunft? „Super wäre es, wenn wir geeignete Räume für unser Angebot finden würden“, so Miriam. Aktuell nützt man mehrere Locations wie die Homebase oder die Schul-Turnsäle, je nach Kursinhalt. So viele Hürden hat das Team des EKIZ schon genommen, bestimmt tut sich auch in dieser Hinsicht bald einmal etwas … 
Doris Martinz

 

Erreichte Familien nach Wohnorten

St. Johann i. T. 122
Kirchdorf/Erpfendorf 42
Fieberbrunn 25
Oberndorf 21
Kitzbühel 18
St. Ulrich a. P. 13
Kirchberg in Tirol 7
Ellmau 7
Going 6
Kössen 6
Waidring 6
St. Jakob in Haus 4
Hochfilzen 4
andere 42
ohne Angabe 31
Gesamt 354