Milan Hurt hat die ehemalige „Weinkiste“ übernommen und verrät, was uns im „Vino by Bastian“ erwartet.

Stressig sei es momentan, gesteht Milan. „Aber ich habe es mir ja selber so ausgesucht“, sagt er und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Wir treffen uns Anfang März im „Le Bastian“­ in St. Johann, das er seit gut zwei Jahren betreibt. Bis Jänner dieses Jahres waren Hildegard und Josef Wolf von der „Weinkiste“ nebenan seine Nachbarn, nun sind sie fort – in die Steiermark gezogen, in Hildegards Heimat. Milan hat die Räumlichkeiten übernommen. „Das war so eine Treppenhausgeschichte“, berichtet er lächelnd: Er habe Hildegard letzten Sommer im gemeinsamen Treppenhaus getroffen und ihr erzählt, dass er nach einer kleinen Produktionsküche suche, weil die Küche des Le Bastian nur zwei Quadratmeter groß ist. Hildegard habe daraufhin gemeint, er solle nicht suchen, sie und ihr Mann würden wohl nicht „ewig“ in St. Johann bleiben. Nun ging alles viel schneller als gedacht. Peter Seiwald kaufte die Räumlichkeiten, Milan pachtet sie von ihm – wie er bereits das „Le Bastian“ von ihm pachtet. „Peter Seiwald hat mich immer sehr unterstützt. Er ist einer jener Eigentümer, mit denen die Zusammenarbeit wirklich Spaß macht.“

Wehmut und Freude

Der gebürtige Tscheche freut sich sehr, dass sich diese Gelegenheit ergab. Aber er vermisst seine Nachbarn, mit denen ihn bestes Einvernehmen verband. „Die linke Seite fühlt sich so leer an, obwohl das Lokal jetzt zu uns gehört. Wir müssen es erst mit Leben füllen“, sagt er mit einer Spur Wehmut in der Stimme. Er versprach Hildegard und Josef, die Weinkiste in ihrem Sinne weiterzuführen und das Thema Wein im Mittelpunkt zu halten. Das wird Milan tun, auch wenn er seinen Fokus auf eine Weinbar mit feinem Speisenangebot legen und daneben – dem untergeordnet – den Weinhandel betreiben wird.
Im März haben die Arbeiten für die neue Küche der ehemaligen Weinkiste begonnen, mit fünf Quadratmetern ist sie immerhin mehr als doppelt so groß wie jene im „Le Bastian“. Wie kann man aus einer so winzigen Küche nur so köstliche Gerichte wie jene für das beliebte Mittagsbrettl zaubern? Ich will mir die zwei Quadratmeter selbst ansehen. „Aber pass auf, geh nicht zu schnell rein, damit du nicht aufläufst“, warnt mich Milan lachend. Dreißig Sekunden später bin ich perplex. In diesem wahrlich sehr, sehr kleinen Raum wird jeder Millimeter genützt. Unglaublich, was Milan da alles rausbringt. Auch in Zukunft werden es Frühstücksvarianten sein, Brunch und Schmackhaftes zur Mittagszeit – auch für geschlossene Gesellschaft, beispielsweise für Firmen- oder Vereinsfeierlichkeiten.
Im neuen „Vino by Bastian“, wie die ehemalige Weinkiste nun heißt, gibt es künftig das Mittagsbrettl auch, vor allem aber wird sich gegen Abend hin das Geschehen dorthin verlagern – mit einer kleinen Karte voller Leckerbissen, die perfekt mit den erlesenen Tropfen harmonieren. „Das Le Bastian hat ein kleines Geschwisterchen bekommen“, so drückt es Milan aus. Sein Plan ist, das Lokal mindestens an drei Abenden der Woche offen zu halten. Welche es sein werden, wird sich noch klären und hängt von den Öffnungszeiten der anderen Betriebe in St. Johann ab, mit denen sich Milan noch abstimmt. Und natürlich von seinem Team an Mitarbeitern und ihren Möglichkeiten, ihre Arbeitszeiten auf das neue Lokal abzustimmen.
Was Milan Gänsehaut beschert

Die Küche im „Vino by Bastian“

wird offen gestaltet sein: „Man kann zu mir reinschauen, wenn ich koche und Kuchen backe. Ich möchte, dass meine Gäste den Weg zu mir finden“, so Milan. Es wird neue Möbel geben, und weiterhin viele Weine. Und einen Sommelier, der Kund:innen und Gäste auf höchstem Niveau berät. Außerdem absolviert Milan auch selbst gerade die Ausbildung zum Weinfachmann. Neben dem Betrieb im „Le Bastian“, neben den Arbeiten für die Neueröffnung des „Vino by Bastian“. „Der Tag hat eh 45 Stunden, und Schlaf wird überbewertet“, scherzt er. Mitte April, zur Eröffnung von „Vino by Bastian“, sollte er die Ausbildung abgeschlossen haben. Er will das Weinangebot internationaler halten und nicht mit dem Großhandel arbeiten, sondern direkt bei den Winzern bestellen. Einige Kontakte seien schon geknüpft, verkündet er freudig. Aber es gibt noch mehr Grund zur Freude: „Ich hab fast Gänsehaut“, sagt Milan und reibt sich mit einer Hand über den Arm. „Du weißt ja, dass ich davon geträumt habe, dass irgendwann meine Familie in meinen Betrieb einsteigt. Jetzt zieht meine Mama nach St. Johann, sie wird mich in Zukunft unterstützen“, verrät Milan mit glänzenden Augen. „Jetzt fangen wir halt mit meiner Mama an, bis die Kinder meiner Geschwister alt genug sind“, fügt er verschmitzt hinzu.
Und außerdem gehe ein weiterer Wunsch in Erfüllung: Er und sein Lebensgefährte Wolfgang werden sich einen Hund anschaffen, einen Golden Retriever. Der Welpe ist bereits bestellt, wenn alles gut geht, vergrößert er schon im Sommer dieses Jahres die Familie. „Es läuft alles nach Plan, komischerweise“, sagt Milan. Eigentlich könne er gar nicht fassen, was gerade alles passiere, meint er fast schon nachdenklich. Zu verdanken habe er das auch seinem Lebensgefährten Wolfgang, der eigentlich Lehrer sei, ihn aber voll und ganz im „Le Bastian“ unterstütze und sich hier mittlerweile unentbehrlich gemacht habe.

Aufregung vor dem ersten Markt

Milan ist rundum glücklich, aber er ist auch ein wenig nervös. Denn bei unserem Gespräch Anfang März liegt der erste Wochenmarkt des Jahres und damit sein allererster Wochenmarkt als Aussteller noch vor ihm. Hildegard und Josef haben auf dem Markt immer ihren Weinstand betrieben, Milan wird auch jenen weiterführen. „Es ist alles geplant und vorbereitet, aber wie es dann sein wird, weiß man ja nicht. Ich bin schon ein wenig aufgeregt“, gibt er zu. Zugleich freut er sich aber auch sehr auf die Freitage, auf die entspannte Stimmung auf dem Markt, die vielen Leute, die er kennenlernen wird. „Immer wieder werden auch Winzer da sein und bei meinem Stand persönlich ihre Weine vorstellen“, stellt er in Aussicht. Die Bedenken, die ihn gerade noch plagten, haben sich in Luft aufgelöst, schon erfüllt ihn die Vorfreude. „Der Wein ist bestellt, die Gläser sind da, los geht’s!“, sagt er, reibt sich die Hände und strahlt. Kommt am Freitag einfach vorbei und stoßt mit ihm an – auf einen wundervollen Tag, auf das Leben und die Liebe und alles, was euch glücklich macht!
Doris Martinz