Bildung ist ein Privileg, das von den meisten nicht genug geschätzt wird.
Oh nein, nicht schon wieder Schule! Wozu braucht man die Schule überhaupt?“ Aussagen wie diese sind von österreichischen Schülerinnen und Schülern immer öfter zu hören. Dabei wird völlig vergessen, in welcher glücklichen Lage wir uns eigentlich befinden, denn was in Österreich für die meisten eine Selbstverständlichkeit ist, ist für viele leider nur ein Traum.
Bildung – ein Privileg, das nicht überall selbstverständlich ist
Dieser Problematik versucht die UNO mit dem UN Nachhaltigkeitsziel Bildung entgegenzuwirken. Dieses besagt, dass bis 2030 hochwertige, inklusive und gerechte Bildung für alle, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Aussehen, Behinderung oder Wohlstand erreicht werden soll.
In den europäischen Ländern sind die Bildungsstandards sehr hoch, doch dies ist nicht überall auf der Welt der Fall. Laut UNO sind 750 Millionen Erwachsene Analphabeten, das bedeutet, sie können weder schreiben noch lesen, davon sind zwei Drittel Frauen. 272 Millionen Kinder haben nicht die Möglichkeit die Schule zu besuchen, so ZDF logo.de.
„Jeder gekürzte Dollar ist die Zukunft eines Kindes, die auf dem Spiel steht“, erklärt UNICEF Exekutiv-Direktorin Cathrine Russell. Trotzdem kürzen Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA die Zuschüsse für Bildung in Krisengebieten. In den Ländern, die auf Unterstützung angewiesen sind, sind die Lebensbedingungen auf Grund von Naturkatastrophen, Kriegen und anderen Ausnahmesituationen ohnehin schon stark erschwert. Ohne die Möglichkeit auf schulische Bildung führt dies zu einem Nachteil fürs Leben.
Wege zu gerechter Bildung weltweit
Glücklicherweise gibt es Menschen, die daran arbeiten, diese Ungerechtigkeit zu beenden, wie z.B. Frau Dr. Margareth Gfrerer, eine Bildungswissenschafterin, die in Äthiopien tätig ist und die wir zu diesem Thema interviewen durften. Sie hat uns erklärt, wie sie die Weiterentwicklung der Bildung in Zukunft sieht.
Um eine nachhaltige Entwicklung der Bildung zu ermöglichen, müsse man zwischen Industrieländern und Schwellen- und Entwicklungsländern differenzieren. In Industrieländern sei die Ausbildung bis zur 12. bzw. 13. Schulstufe gedeckt, wohingegen Bildung in Schwellen- und Entwicklungsländern ein klassentrennendes Thema sei. Einerseits sei der Bevölkerung die Bildung wichtig, andererseits fehlen ihnen die wichtigen Ressourcen, wie beispielsweise gut ausgebildete Lehrkräfte, Unterrichtsmaterialien, sichere, gut zugängliche Schulwege und Unterstützung von Seiten der Eltern. Oft werden Kinder als Arbeitskräfte gebraucht, weshalb viele frühzeitig die Schule beenden, um zu Hause mitzuhelfen. Allerdings könne nachhaltige Bildung nicht verordnet werden und es liege nach der Grundschule im Interesse jedes einzelnen, ob eine weitere Ausbildung folgt, fügt sie hinzu. Laut Gfrerer müsse die Bildung „mit der Zeit gehen“. Es müsse zu folgenden Erkenntnissen kommen: Das Lernen ist mit Beendigung der Schulzeit nicht beendet. Die Lernenden müssen verstehen, wofür sie lernen, d.h. Lernen brauche einen ganzheitlichen Ansatz und einen realen Kontext.
In den Industrieländern sei das Nachhaltigkeitsziel weitestgehend erfüllt. Wir sehen aber, dass es Schwächen bei den einzelnen Indikatoren gibt, so z.B. in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik); Information- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Organisation und Analyse von Daten; …
In Entwicklungs- und Schwellenländer gibt es gute Ansätze der Verbesserung wie z.B. in Äthiopien ist die Grundschule kostenlos; Studierende bekommen einen Kredit vom Unterrichtsministerium, den sie dann in späteren Jahren zu besonders günstigen Konditionen zurückzahlen.
Grundsätzlich ist zu beobachten, dass Meilensteine in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern erreicht werden, das Ziel aber noch weit in der Ferne ist, so Gfrerer.
Die Bildungswissenschafterin hat noch eine abschließende Botschaft: Man sollte nie aufhören, Dinge zu hinterfragen und stetig seinen Horizont zu erweitern.
