Obfrau Livia Danzl erzählt von „Allroundern“, „Rookies“ und „Shreddern“ und von einer starken Community, die eine Leidenschaft teilt.

Bei scharfen Krümmungen sowie beim Begeg­nen oder Einholen von Fußgängern ist mit der an jedem Velocipede anzubringenden Alarmglocke ein deutlich vernehmbares Signal zu geben. Bei einbrechender Dunkelheit ist stets mit angezündetem Lichte in der am Velociped angebrachten Laterne zu fahren.“, so heißt es im Jahr 1894 bei der Vereinsgründung der Radunion St. Johann in den Statuten. Inzwischen, gut 130 Jahre später, wurde das „Velocipede“ zum „Bike“, die Alarmglocke schrillt wohl weniger laut, und eine Laterne zündet man heute auf dem Fahrrad für gewöhnlich auch nicht mehr an. Aber der Spaß am Radeln, der ist geblieben.

Training für Kinder und Jugendliche in 4 Gruppen

Livia Danzl ist seit 2025 Obfrau der Radunion St. Johann. Sie übernahm die Funktion­ nach dem Ableben von Kurt Exenberger, ihrem ehemaligen Trainer und guten Freund. „Ich möchte den Verein auch in seinem Sinne und mit seinen Zielen weiterführen“, sagt sie.
Ursprünglich Lehrerin, leitet sie derzeit die Bikeschule eines Reiseveranstalters in Innsbruck. Sie kann sich ihre Zeit oft frei einteilen. Wenn sie nicht arbeitet oder selbst am Rad sitzt und trainiert, füllt sie die Stunden mit Vereinsarbeit. Zu tun gibt es immer etwas, denn der Verein ist sehr aktiv und konzen­triert sich aktuell ganz auf die Nachwuchsarbeit – in vier Gruppen: Am Montag trainieren die „Allrounder“, die „jungen Gesichter“ und Einsteiger ab sechs Jahren. Wenn sie schon Fortschritte gemacht haben, wechseln sie zu den „Rookies“, die sich am Mittwoch treffen, und später zu den „Shredders“, die am Donnerstag Gas geben.
Im „Gravity“ Kader trainieren Kinder ab zwölf Jahren, die bereits an Rennen teilnehmen. Das Aushängeschild des Vereins ist aktuell Florian Hibaum, der 2025 sein erstes Weltcuprennen bestritten hat. „Das sind schon wilde Hunde“, lacht Livia. „Bei denen gibt es nur ein Motto: Wer bremst, verliert!“

Treffpunkt für das Training ist immer in Oberndorf, bei den OD-Trails. Die Trails sind auch die hauptsächliche „Spielwiese“ der Biker, dort verbessern und perfektionieren sie – unterstützt von sieben Trainer:innen – ihre Technik. Ausflüge in umliegende Bikeparks sorgen für Abwechslung. „Das war immer Kurts Anliegen, dass wir Fokus und großen Wert auf das Techniktraining legen“, sagt Livia. Wichtig sei ihm auch gewesen, dass die Bike-Community gestärkt wird. Deshalb gibt es jeden ersten Donnerstag im Monat den Stammtisch bei der BP-Tankstelle in St. Johann, bei Gust Salcher, zu dem alle – jung wie jung gebliebenen – eingeladen sind.

Genusstouren für die Großen

Abseits der Nachwuchsarbeit bietet der Verein für Erwachsene entschleunigte „Genusstouren“ mit dem E-Mountainbike an. Dabei stehen die Freude an der Natur, das gemeinsame Fahren und die Geselligkeit im Vordergrund – inklusive dem ein oder anderen Einkehrschwung. Treffpunkt ist beim Koasa Stadion, jeden Mittwoch um 10 Uhr morgens.
Doch auch die Renn­radle­r:innen kommen auf ihre Kosten: Sie treffen sich zur Feierabendrunde jeden Dienstag um 18 Uhr und zu den Ausfahrten am Freitag um 14 und am Samstag um 9 Uhr. Wer in die WhatsApp-Gruppe aufgenommen werden will, schreibt einfach eine E-Mail an
info@radunion-stjohann.at.
Im Verein ist man für alle Formen von Radfahren offen und stolz darauf, dass mit Benni Hundsbichler – er hat Livia als Schriftführer abgelöst – auch ein erfolgreicher Handbiker dabei ist.

Lehrerin und Trainerin

In einem Kirchberger Verein fuhr Livia früher selbst Cross Country Rennen, entschied sich dann aber doch, die Ausbildung vor dem Sport zu reihen. Sie studierte an der Pädagogischen Hochschule in Innsbruck Mathematik und Biologie und machte daneben die Ausbildung zum Übungsleiter, sowie den Gravity In­struktor sowie die Zertifizierung zum Guide Level 1. Vor vier Jahren wurde die heute 31-Jährige Mitglied der Radunion und gleich Schriftführerin. In ihrer Familie habe sich immer schon alles ums Radfahren gedreht, schon ihr Großvater sei begeisterter Radler gewesen, erzählt sie.

Die Jugend will Spaß

Während andere Vereine mit Nachwuchsproblemen kämpfen, freut man sich bei der Radunion über das große Interesse der Jugend. Das liege auch an den Möglichkeiten, die die OD-Trails bieten, erklärt Livia. „Die Jungen wollen sich nicht bergauf plagen, sie wollen springen und Fun haben, und das können wir ihnen bieten.“ Doch auch das Bergabfahren, die Disziplin Downhill, könne „brutal anstrengend“ sein: „Du kommst nach drei Minuten unten an und bist total zerstört!“
118 Mitglieder zählt der Verein aktuell, er finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge, die Gemeinde und lokale Sponsoren. Im Winter wird kindergerechtes Athletiktraining angeboten. „Das ist eine wichtige Präventionsmaßnahme und schützt bei Stürzen vor schweren Verletzungen“, weiß Livia.
Spannender ist für die Jugend aber natürlich das Training auf dem Bike, zu dem man sich jederzeit einfach über die Homepage des Vereins anmelden kann.

Vielleicht gibt es ja auch junge (erwachsene) Biker, deren Leidenschaft das Rennrad ist? „So ein lässiger wöchentlicher, gut besuchter Ride mit Rennradler:innen wäre ein Ziel!“

Doris Martinz