Eine Geschichte über Asphalt, Stöcke und den Lockruf der Eierschwammerl.

Jetzt geht’s um einen besonderen Verein. Wobei, da würd ich gleich im ersten Satz einen Fehler machen. Es geht nämlich um die Hauser Stockschützen. Die sind eben kein Verein, sondern eine langgehegte und gepflegte Gemeinschaft. Schmunzelnd erzählt mir der (mittlerweile ehemalige) sportliche Leiter Albert Perterer allerhand lustige Anekdoten. Unter anderem auch die mit Eierschwammerl. Sie fragen sich, was Eierschwammerl mit dem Stocksport zu tun haben? Einfach weiterlesen.
Gegründet bzw. initiiert wurden die Hauser Stockschützen vor vielen Jahren von Waldi Kexel, auf dessen Drängen der Gastwirt Bernhard Hauser eine Stockbahn errichtete. Bis vor kurzem war Albert Perterer als sportlicher Leiter der Runde tätig. Albert war früher Eisschützenobmann in Hochfilzen und zog dann –
Anfang der 1990er-Jahre – nach St. Johann. Dort angekommen, wollte er natürlich in der Nähe seines neuen Heims auch dem Stocksport nachgehen und hatte Glück – dann der Gasthof Hauser und die dazugehörige Stockbahn ist wirklich nur „ums Eck“ von seinem Haus.
Neu bei den Stocksportfreunden beim Gasthof Hauser angekommen, fiel Albert recht schnell auf: Die Führung fehlte; so übernahm einfach er selbst die sportliche Leitung. Mittlerweile trainiert die Gemeinschaft zweimal die Woche, am Mittwoch um 18 Uhr und am Sonntag um 16 Uhr. Gespielt wird bei den Stocksportlern hauptsächlich im Sommer auf Asphalt, weil beim Gasthof Hauser nur eine Freibahn zur Verfügung steht. Im Winter pausieren die Stocksportfreunde, in diesen Monaten spielen einige der Mitglieder bei anderen Vereinen und bleiben so für die sommerlichen Stockabenteuer beim Gasthof Hauser im Training.

Die Grundfesten der Gemeinschaft

„Der Fokus unserer Gemeinschaft liegt auf Kameradschaftlichkeit und Gemeinschaft – diese Werte müssen passen, damit alles problemlos läuft“, erklärt Albert die Grundfesten der Sportgemeinschaft. Lange Zeit waren die Stocksportfreunde über 20 Mitglieder, nunmehr sind es 15. „Nachwuchs zu finden, gestaltet sich schwierig“, beschreibt es Albert. Die ältesten Mitspieler der Stocksportfreunde sind 88 Jahre alt, und auch sie genießen die Gemeinschaft in vollen Zügen.
Obschon der Stocksport relativ männerdominiert ist, spielen bei den Stocksportfreunden Hauser zwei bis drei aktive Damen mit. „Eine davon ist schon über 80 Jahre alt und kommt immer zum Trainieren. Auch sie genießt das Training an der frischen Luft sehr“, erzählt Albert. Albert berichtet zudem, dass ihm und seinen Kollegen zwar Einzelwettkämpfe immer großen Spaß machen würden, die Teamwettkämpfe aber in Wirklichkeit das sind, warum er so gerne bei der Gemeinschaft ist. Das Miteinander ist für ihn einfach alles.
Unter anderem, um neue, jüngere Mitglieder für die Gemeinschaft zu gewinnen, hat Albert kürzlich seine Position als sportlicher Leiter an die jüngere Generation übergeben. Unter dieser sollen vor allem jüngere Menschen wieder mehr zum traditionellen Stocksport zurückfinden und die Stocksportfreunde vom Gasthof Hauser unterstützen. Neue Ansprechpartner für die Stocksportfreunde sind somit mittlerweile Klaus Födermair und Markus Perterer, der Sohn von Albert, der die sportliche Leitung der Stockschützen übernommen hat. „Die Übergabe an meinen Sohn war sehr einfach, das ist alles im Hintergrund passiert“, erzählt Albert. Sein Sohn ist mit 34 Jahren einer der jüngsten der Stocksportfreunde vom Gasthof Hauser und trat mit Freude und viel Selbstvertrauen in die neue Rolle ein.

Persönliche Highlights und gemeinsame Erfolge

Angesprochen auf seine persönlichen Highlights bei den Stocksportfreunden, weiß Albert sofort eine Sache zu berichten: „Bereits seit 20 Jahren veranstalten wir jeden Pfingstmontag unser großes Pfingstturnier – das ist immer ein tolles Erlebnis. Und ob man’s glaubt oder nicht, in den ganzen 20 Jahren hatten wir noch nie schlechtes Wetter“. Im Herbst gibt es als Pendant immer noch das Herbstturnier, das sogenannte „Kalkstein Turnier“. Bei den Turnieren helfen immer alle – auch Bernhard Hauser und sein Team – gemeinsam mit, damit alles klappt – es ist eine tolle Gemeinschaft. Besonders bedanken möchte sich Albert an dieser Stelle bei allen fleißigen Mithelfern, besonders aber bei Mathilde und Hoisei, für ihren Einsatz. Für Turniere fährt die Gemeinschaft beispielsweise nach Waidring oder Hochfilzen, aber auch bis nach Gröbming in der Steiermark.
Eines der Highlights in den Jahren 2024 und 2025 für Albert waren die Turniere in der Steiermark, bei denen 15 Mannschaften antraten – die Stocksportfreunde Hauser überzeugten jeweils mit Top-Leistungen und siegten. Für dieses Jahr macht sich Albert dennoch Sorgen: „Ich weiß nicht, ob wir nochmal eingeladen werden, wir waren die letzten Jahre einfach zu gut!“, meint er, mit einem Lächeln im Gesicht.
In seiner letzten Saison als sportlicher Leiter konnten Albert und die Stocksportfreunde vom Gasthof Hauser vier Turniersiege nach Hause bringen. Für ihn war das ein wunderschöner Abschluss seiner offiziellen Tätigkeit in der Gemeinschaft – als Mitspieler bleibt er natürlich voll motiviert erhalten. Seinem Nachfolger und Sohn wünscht Albert neue Mitglieder, gleich viel Freude wie er selbst hatte, eine schöne Zeit in der Gemeinschaft und viel Spaß. Sein Sohn ist in den Sport und die Aufgabe durch seinen Vater einfach hineingewachsen – die Gemeinschaft liegt auch ihm sehr am Herzen.

Und wie war das mit den Eierschwammerl?

Eierschwammerl und Stock­sport – was diese beiden Dinge miteinander zu tun haben, gilt es noch kurz zu klären: Das schönste Erlebnis in der ganzen letzten Sommersaison war für Albert das zuvor erwähnte Turnier in der Steiermark. Eigentlich stand damals das Team schon fest – Albert und sein Sohn Markus waren Teil davon – als Titelverteidiger eine sehr gute Kampfmannschaft. Leider hatte Markus kurzfristig gesundheitliche Probleme und konnte in der Steiermark nicht antreten – so musste Albert schnell einen Ersatz finden. Für den „Jungspund“ fuhr schlussendlich Alois mit. Alois war mit seinen 87 Jahren quasi der „Dienstälteste“ der Stocksportfreunde und wollte ursprünglich gar nicht mit zum Turnier in die Steiermark. Er dachte, das wäre viel zu anstrengend für ihn. Schließlich konnte ihn Albert aber überreden. Oder nennen wir es lieber „anfüttern“ – und zwar „mit selbstgesammelten Eierschwammerl“, wie Albert lachend berichtet. Albert wollte unbedingt, dass Alois mitmacht. Denn er ist einer der besten Spieler und wusste einfach, dass Alois das Turnier am Ende des Tages Freude bereiten würde. Und wie ging die Sache aus? Albert hat Recht behalten: Das Turnier wurde gewonnen und für Alois war es ein wunderschönes Erlebnis. Und die Eierschwammerl? Die dürften wohl sehr gemundet haben.
Theresa Hager