Was wir tun können, um das Zusammenleben von Hundebesitzer:innen und Menschen, die keine Hunde-Fans sind, harmonischer zu gestalten.

Die Nachricht von einem Giftköder, der im März in St. Johann einen jungen Familienhund tötete, erschütterte die gesamte Region. Man kann die Vierbeiner mögen oder auch nicht: Kein Lebewesen hat diesen qualvollen Tod verdient, darin sind sich die meisten Menschen einig. Das Geschehene macht fassungslos und wirft die Frage auf: Was läuft schief zwischen Hundebesitzer:innen und Nicht-Hundebesitzer:innen?
Es muss einiges im Argen liegen, so die Gemeinderätin, Heilmasseurin, Tierdienstleisterin* und Hundebesitzerin Claudia Pali. Nala, ihre „Zwei-Kilo-Kampfkuschlerin“, hat sie bei unserem Gespräch ausnahmsweise nicht mit dabei. Bürgermeister Stefan Seiwald, auch er ein „Hundemensch“, erzählt von seiner Lola, einem portugiesischen Wasserhund, erst wenige Monate alt. Das Tier ist natürlich bereits registriert. 418 Hunde sind am Tag unseres Gesprächs im März dieses Jahres in der Gemeinde St. Johann gemeldet. Im Vergleich dazu: Vor zehn Jahren waren es noch 308, um ein Viertel weniger. Das Gefühl, das viele teilen, nämlich dass in den letzten Jahren die Anzahl der Hunde deutlich gestiegen ist, täuscht also nicht. Umso wichtiger ist es, dass es klare Regeln gibt für das Miteinander von jenen Menschen, die sich ein Leben ohne Hund gar nicht vorstellen können und jenen, die keine Hunde mögen oder zumindest ein Problem damit haben, wie Hunde in manchen Fällen gehalten werden. „Es braucht gegenseitiges Verständnis, klare Kommunikation und die Einhaltung von Regeln“, so der Ortschef.

St. Johann als Vorreiter

Der größte Teil der Verantwortung liegt bei den Hundehalter:innen. Sie haben sich dafür entschieden, einen Hund in ihr Leben zu lassen und sind nun der Gesellschaft gegenüber verantwortlich. Sie haben die Aufgabe, die eigene Sensibilität dafür zu schärfen, dass nicht jede(r) Hunde mag und müssen entsprechend vorausschauend handeln. Was man allen Hundehalter:innen ins „Stammbuch“ schreiben könnte: „Nicht jeder liebt deinen Hund so wie du.“ Oder, anders ausgedrückt: Ein Hund darf niemanden belästigen. Und: Ein Hund soll zu jedem Zeitpunkt von seinem/seiner Halter:in kontrollierbar sein. Wenn dann auch noch seine Hinterlassenschaft zuverlässig und richtig entsorgt wird, kann gar nicht so viel schiefgehen. Theoretisch.
In der Praxis ist alles nicht so einfach. Deshalb gibt es zusätzliche gesetzliche Regelungen. Das Gesetz sagt zum Beispiel ganz klar: „Hunde haben so beaufsichtigt oder zu verwahren sein, dass Dritte durch sie nicht gefährdet oder über das zumutbare Maß hinaus belästigt werden.“ Jeder Hund muss weiters in der Wohngemeinde registriert, versichert und durch einen Tierarzt gechippt sein. Wer zum ersten Mal einen Hund hält, muss einen Sachkundenachweis erbringen, den man online über das WiFi machen kann. Dann gibt es noch den Begleitführschein, der nicht auf die Person, sondern auf den Hund bezogen ist. Er weist nach, dass das Tier in der Lage ist, gewisse Kommandos auszuführen und in der Öffentlichkeit sicher gehandhabt werden kann. Hier ist St. Johann mit einer speziellen Regelung Vorreiter: Wer freiwillig den Begleitführschein für seinen Hund vorlegt, ist ein Jahr lang von der Hundesteuer befreit. Warum? „Weil der Nachweis Schutz und Sicherheit für die Allgemeinheit bedeutet, das ist uns wichtig“, so Stefan Seiwald.

Pflichten und Rechte

Wie in allen Orten, gilt auch in St. Johann die Leinenpflicht für Hunde. Und die Maulkorbpflicht: Hunde sind an öffentlichen Orten, an denen sich üblicherweise größere Menschenansammlungen bilden, jedenfalls in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kinderbetreuungs- und Schuleinrichtungen, Spielanlagen und Einkaufszentren, an der Leine und mit Maulkorb oder in geschlossenen Behältnissen zu führen“, so sagt das Gesetz.
Herrscht bei Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Wochenmarkt also großes Gedränge, herrscht also Maulkorbpflicht.
„Ich habe Angst vor Hunden, deshalb ist es mir wichtig, dass es diese Pflichten gibt, und dass sie auch eingehalten wird“, gesteht Claudia und überrascht mich mit dieser Aussage nicht wenig. Sie hat Angst vor Hunden? „Ja klar, wenn ein großer Hund bellend und knurrend auf mich zuläuft, habe ich Angst, wie wohl die meisten anderen Menschen auch“ bekräftigt sie. Es gebe in St. Johann aber ortsnahe Freilaufzonen und außerdem mit dem ,Wau-Wau-Treff’ ein großes Areal, auf dem sich Hunde austoben können, ohne Spaziergänger zu verschrecken, erklärt sie.
Und wie steht es mit der Gassi­sackerl-Moral? Jene verlaufe in Wellen, berichtet der Bürgermeister. Es gebe Phasen, in denen die „Scheißminix-Einstellung“ stärker zu beobachten sei, im Großen und Ganzen jedoch seien die Einheimischen brave Entsorger:innen. Bei den Gästen im Ort müsse man noch mehr auf Aufklärung setzen, man stimme sich hier mit dem Tourismusverband ab.
Wenn es um Hunde geht, denken in unserer Region viele gleich auch an Radfahrer. Hund und Rad – das passt nicht zusammen, oder? Claudia Pali weiß, wie es funktio­nieren könnte: „Auf einem Radweg gehört der Hund an die Leine. Dafür sollten sich die Radlerinnen und Radler oder auch E-Scooter-Fahrer:innen, die von hinten kommen, schon früh durch Klingeln oder Rufen bemerkbar machen. Dann kann der Hund kurzgehalten werden, und Radfahrer:innen können ungehindert und sicher passieren. Im Prinzip ist es ganz einfach, wenn beide Seiten Rücksicht nehmen.“ Gegenseitige Rücksichtnahme – darin liegt der Schlüssel für ein harmonisches Miteinander. Denn auch die Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer haben Rechte.

Gut für Menschen

„Ein Hund“, so Claudia Pali, „ist für die Halterin oder den Halter extrem wichtig.“ Hunde seien Familienmitglieder, Partner-Ersatz, Kind-Ersatz. „Für mich selbst hat sich der Wunsch, eine Familie zu gründen, leider bisher nicht erfüllt. Meine Nala jedoch ist wie ein Kind für mich, sie ist mein Baby“, schildert die Gemeinderätin. Damit ist sie nicht allein. Auch viele ältere Menschen finden in ihrem Hund ein Lebewesen, das sie treu begleitet, ihnen Liebe schenkt und sie vor Einsamkeit bewahrt. Hunde sind Partner, Spielkamerad, Sportsfreund, Schmusetier. Hunde sind ganz einfach gut für Menschen. Deshalb sollten jene, die Hunde im Prinzip nicht mögen, Verständnis für ihre Halter:innen aufbringen. Und die Verantwortung nicht von sich schieben, sondern ihre Kinder lehren, wie man mit Hunden und allen anderen Tieren umgeht. „Wir wollen in der Gemeinde ein harmonisches Miteinander und gegenseitigen Respekt für die jeweiligen Bedürfnisse“, unterstreicht Stefan Seiwald.
Einen Giftköder auszulegen, ist eine strafbare Handlung und bringt auch Kleinkinder und andere Lebewesen in Gefahr. Es werden nun verstärkt Kurse und Workshops angeboten, die Hunde darin trainieren, im Freien nichts aufzunehmen, berichtet Claudia Pali. Man schützt damit treue Gefährten. Und eine Gesellschaft, in der alle von einem guten Miteinander profitieren.

Wo gilt die Hundeleinenpflicht, wo befinden sich die Gassisackerldispenser?

Einfach hier nachschauen!
http://www.ortsplan.tirol

* Claudia Pali ist auch stellvertretende WKO Fachgruppenobfrau der persönlichen Dienstleister, darunter fallen auch die Tierdienstleister.

Hunde in St. Johann i. T.

• März 2026:  418 Hunde registriert
• pro Jahr werden zirka 250.000 Gassisäcke verwendet und entsorgt
• gesammelt wird in zirka 300 Straßenmülleimern
• Hundesteuer:  € 99,10 / Jahr, auch für jeden weiteren Hund
• daraus Einkünfte für die Gemeinde 2025:  € 41.673,64