Frank Bölling von EGGER erklärt, warum erst wenige elektrisch angetriebene LKWs unterwegs sind, und was die Umstellung erschwert.

Entgegen der Meinung vieler Zweifler:innen ist sie nun doch da, die Elektro-Mobilität. Zumindest bei PKWs: Mit über 250.000 rein elektrisch angetriebenen Autos auf den Straßen (Stand Ende 2025) und einem wachsenden Marktanteil bei Neuzulassungen festigt sich der Trend zum elektrischen Fahren auch in Österreich. Und das wohl nachhaltig. Das Mobilitätsministerium investierte letztes Jahr kräftig in die Ladeinfrastruktur, heuer sollen vor allem ländliche Gebiete davon profitieren.
E-PKWs sind also auf dem Vormarsch. Aber wie verhält es sich im Transportbereich? E-LKWs sind derzeit noch absolute Exoten auf den Straßen der Region. Auch bei EGGER fahren noch zum allergrößten Teil „Verbrenner“ ein und aus, bestätigt Frank Bölling, in der EGGER Gruppenleitung zuständig für den Bereich Logistik. Aber man arbeite daran, das zu ändern. Ganz einfach sei es allerdings nicht, räumt er ein.
Hohe Investitionskosten
Immerhin: Ein erster Logistik-Partner, ein Transportunternehmen mit Sitz in Bayern, steuert EGGER in St. Johann bereits mit seinen E-LKWs an. „Das ist deshalb möglich, weil die Reichweite dafür ausreicht. Unser Partner lädt seine LKWs ausschließlich an den eigenen Säulen, Hin- und Rückfahrt gehen sich aus. Das ist entscheidend, denn sobald LKWs unterwegs öffentliche Ladestellen anfahren und die dort hohen Preise bezahlen müssen, ist der E-LKW nicht mehr rentabel“, erklärt Frank Bölling. An der Reichweite­ allein liege es jedoch nicht: ­E-LKWs sollten zudem zumindest einen Teil ihres Wegs auf einer Mautstrecke zurücklegen, um profitabel zu sein. Der Grund dafür: „E-LKWs zahlen weniger Maut, die Ersparnis drückt die Kosten.“ Apropos Kosten: Dass jeder Cent zählt, hängt auch mit den enormen Anschaffungskosten eines E-LKWs zusammen, die in etwa dreimal so hoch sind wie für einen LKW mit Verbrennermotor. „Förderungen erhalten Firmen nur, wenn sie auch Ladeinfrastruktur dazu schaffen“, weiß der Logistik-Profi. „Und auch diese ist mit hohen Investi­tionskosten verbunden.“

Viele Unsicherheiten

EGGER selbst baut gerade ein weiteres Kraftwerk, das nicht nur Wärme aus biogenen Brennstoffen produzieren, sondern auch erstmals eigenen Strom für das Werk in St. Johann liefern wird. „Wir motivieren unsere Logistikpartner schon seit längerem dazu, das Thema Elektroantrieb gemeinsam mit uns anzugehen. Positive Signale dazu kommen erst seit kurzem. Ein weiterer Transporteur, mit dem wir regelmäßig am Standort
St. Johann zusammenarbeiten, beabsichtigt nun, sukzessive auf Elektro umzustellen.“ Dass Transporteure und Speditionen das Thema zögerlich angehen, verwundert Bölling nicht – es gebe noch viele Unsicherheiten, zum Beispiel auch das geplante Aus für Verbrenner oder die Preisentwicklung bei der Energie. „Wir würden LKWs subventionieren, um selbst Erfahrungen zu sammeln.“
Zumindest komme nun Bewegung in die Thematik, so Bölling. Aber es brauche noch mehr Infrastruktur und machbare Preise an den öffentlichen Ladesäulen, um spontane oder längere Fahrten abdecken zu können. Bei EGGER gehe man vor allem kurze Transportstrecken an, hier werde man zunehmend elektrisch unterwegs sein. Wenn es darum geht, Emissionen zu reduzieren, nutze man aber auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel die Bahn.

Falsche Richtung

„Leimtransporte von unserem Werk Wismar in unser Werk Brilon – beide in Deutschland – haben wir weiter auf die Schiene verlegt. Seit Herbst letzten Jahres wird der Leim auf dieser Strecke fast ausschließlich mit der Bahn transportiert, das ist ein toller Erfolg“, freut sich Bölling.
Man stehe mit dem Vorstand der ÖBB beziehungsweise der RCA (Rail Cargo Austria) in stetem Austausch und beratschlage darüber, wie man von St. Johann aus weite Strecken mit der Bahn besser bewältigen könne. Als schwierig erweisen sich dabei Transporte, deren Ziel im Norden Europas liegt: „Diese Ladungen gehen derzeit nur über Wels, was einen Umweg bedeutet und damit Zeitverlust und höhere Kosten. Da suchen wir noch nach einer Lösung.“ Im Werk in Unterradlberg, Niederösterreich, klappt es besser mit der Bahn: Drei Züge mit Containern machen sich jede Woche von dort aus auf den Weg zum Terminal in Wien, zwei Drittel der Container gehen anschließend nach Koper, Slowenien, zur Verschiffung, der Rest geht in Richtung der Nordhäfen Europas.

Künstliche Intelligenz hilft

Frank Böllings Aussagen machen klar: So schnell werden wir also die LKWs nicht von der Straße bekommen. Oder doch? Künstliche Intelligenz könne zumindest helfen, ihre Anzahl zu verringern, erläutert der Logistiker, und zwar durch die Optimierung der Beladung. Das Unternehmen Exim, ein Logistikpartner in der Region, stelle weiters schrittweise auf Leichtbau-LKWs um, die mehr Ladung transportieren können, so Bölling. Auch das helfe, LKWs einzusparen. Perfektionierte, KI gestützte Routenplanung sei ein weiteres Tool, um die Kilometer auf der Straße zu reduzieren.
EGGER unterstützt zudem­ Transportunternehmen, die ihre LKWs mit HVO100, einem synthetischen Dieselkraftstoff aus erneuerbaren Rohstoffen wie Altspeiseöl, betanken. „Auch in diesem Bereich suchen wir aktiv nach Partnern, auch im Sinne unserer eigenen Klimakennzahlen.“
Doris Martinz

 

Persönliches zu Frank Bölling
Frank Bölling ist seit 2019 Teil des EGGER-Teams. Vor seinem Eintritt in die EGGER-Gruppenleitung 2022 war er Divisionsleiter Logistik in der Division EGGER Decorative Products Ost. Dafür ist er von Landau in der Pfalz (Deutschland) nach Niederösterreich in die Nähe des EGGER-Werks Unterradlberg gezogen. Frank Bölling hatte in verschiedenen Industriebranchen leitende Positionen im Bereich Logistik und Supply Chain Management inne. Er hat Holztechnik an der FH Rosenheim studiert.

 

Interessante Fakten zu E-LKWs

• bis Ende 2025 waren in Österreich 17.941 E-LKWs (N1, N2, N3) zugelassen.
• Neu zugelassen 2025 726, 2026 bis Ende Februar 757
• in Österreich stark reduzierte Maut, in Deutschland Maut befreit
• sind ausgenommen vom Nachtfahrverbot
• zur Zeit erfolgt ein massiver Ausbau der Lade-Infrastruktur

Quelle: BEÖ