Im Pflegeheim St. Johann/Oberndorf sind seit einigen Monaten philippinische Fachkräfte im Einsatz.
Die ersten Erfahrungen sind sehr ermutigend …

Die demografischen Daten lassen keinen Zweifel: In den nächsten zwanzig Jahren wird die Zahl der alten Menschen auch in unserer Region weiter ansteigen – und damit der Bedarf an Pflegekräften in Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Aus der eigenen Bevölkerung ist dieser Bedarf – nicht zuletzt aufgrund einer anstehenden Pensionierungswelle – nicht zu decken, es braucht Unterstützung aus anderen (Welt-)Regionen. Im Pflegeheim St. Johann/Oberndorf hat man den Weg dafür geebnet und sich im Ausland Hilfe geholt. Die ersten internationalen Fachkräfte stammen von den Philippinen; sie sind im August letzten Jahres eingetroffen, haben sich in den letzten Monaten bereits gut in ihr neues Leben eingewöhnt und sich auch an ihrem Arbeitsplatz bewiesen. „Unsere neuen Mitarbeiter:innen aus Fernost – es sind drei Männer und eine Frau – verfügen alle über ein abgeschlossenes Pflegestudium, sie sind sogenannte „Bachelor Nurses“ und haben in Krankenhäusern in ihrer Heimat Berufserfahrung gesammelt“, informiert Vizebürgermeister Hubert Almberger. In pflegerischer Hinsicht bestehe zwar noch einiger Schulungsbedarf, so Pflegeheimleiterin Renate Pali, hier habe sich aber schon viel getan. Der Einsatz in einem Pflegeheim sei übrigens neu für die Fachkräfte – Einrichtungen wie diese gibt es in ihrem Herkunftsland nicht, alte Menschen werden dort in ihren Familien betreut.
Die neuen Teammitglieder sind „Weltenbürger“ im Alter zwischen 35 und 43 Jahren, sie nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel und sind digital sehr affin. Und sie verfügen über gute Deutschkenntnisse auf Niveau B1 (Mittelstufe). Die sprachlich­e Verständigung mit den Bewohner:innen der Pflegeheime ist aufgrund des Dialekts natürlich dennoch nicht ganz einfach. Aber: „Es wird von Woche zu Woche besser“, freut sich Renate Pali. Außerdem biete man für alle Mitarbeitenden im Pflegeheim Sprachkurse an, jene würden auch von den philippinischen Kräften gut angenommen. „Die Bereitschaft, sich zu verbessern, ist hoch.“

Vollzeitkräfte und Stammpersonal

Die philippinischen Pflegekräfte sind finanziell unabhängig, sie kommen selbst für Miete und Verpflegung und alle weiteren Lebenserhaltungskosten auf. Allerdings unterstützt man sie bei der Wohnungssuche und bei den notwendigen Behördenwegen.­ „Sie sollen bei uns ja gut Fuß fassen können. Wir bemühen uns alle sehr, es ihnen möglichst leicht zu machen“, so der Vizebürgermeister. Es geschieht dies in ureigenstem Interesse: Die Philippin:innen arbeiten in Vollzeit und sind Teil des Stammpersonals. Gibt es genug Stammpersonal, profitiert das gesamte Team von mehr Dienstplansicherheit.
Dank der Fachkräfte aus Fernost will man sich künftig auch unabhängig machen von Leasingkräften, die im Vergleich kostenintensiv sind und oft gar nicht dauerhaft beschäftigt bleiben wollen.

Die Chemie stimmt

Wie geht es nun den Be­wohner:innen der Pflegeheime mit dem neuen Personal? „Sehr gut“, freut sich Pali. Für sie sei das wenig überraschend, erklärt sie: „Die Philippinen üben in ihrer Kultur einen sehr wertschätzenden Umgang mit alten Menschen. Es sind angenehme, eher zurückhaltende Menschen, die sich gut auf andere, auch auf Kolleginnen und Kollegen, einstellen können.“ „Außerdem ist die philippinische Gesellschaft sehr dienstleistungsorientiert“, ergänzt Hubert Almberger.
Es sei daher nicht verwunderlich, dass sich die Fachkräfte bereits gut ins Team eingegliedert und im Ort integriert haben. Mit einer Ausnahme: Einer der Männer hat das Land kürzlich wieder verlassen: Das Heimweh nach seiner Familie – er wurde bei seiner Abreise Vater – war zu groß. Dennoch: „Die positiven Erfahrungen­ überwiegen bei weitem, wir werden den eingeschlagenen­ Weg weitergehen“, so Almberger.
„Wir haben ein gutes Gefühl!“, betonen Pali und Almberger­ unisono. Weil dem so ist, sollen heuer nach und nach weitere 14 Fachkräfte nach St. Johann beziehungsweise Oberndorf geholt werden. Wie schon zuletzt, wird man damit wieder erfahrene Agenturen beauftragen. Zirka eineinhalb Jahre dauerte es von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Dienstantritt der ersten internationalen Pflegekräfte. Es ist also Weitsicht gefragt. Jene hat man in St. Johann und Oberndorf bereits bewiesen …

Doris Martinz