WenDo-Trainerin Derya Nonnato über Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen.

WenDo – für mich klingt das ein wenig nach Judo. Oder so. Ganz daneben liege ich damit nicht: Das „Wen“ steht für die Abkürzung des englischen Wortes „Women“. „Do“ ist japanisch und bedeutet der Pfad, der Weg. „Wendo bedeutet also ,Weg der Frauen’ und ist eine spezielle Form der mentalen und körperlichen Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, die nur von Frauen an Frauen und Mädchen weitergegeben wird“, erklärt Trainerin Mag. Derya Nonnato bei unserem Treffen. Mit einer energischen Kopfbewegung wirft sie ihre langen, dunklen Locken zurück.
Warum braucht es überhaupt Kurse wie diese, speziell für Mädchen und Frauen? Bei Kampfsportarten trainieren doch auch alle häufig gemeinsam, und dort geht es unter anderem auch um Selbstverteidigung. Dery erläutert, dass es sich bei WenDo nicht um eine Kampfsportart handle, sondern eben um Selbstbehauptung, Selbstfürsorge und Selbstverteidigung. Das Angebot geht weit über Körperliches hinaus: „Ich biete einen geschützten Raum, in dem Frauen über ihre Erlebnisse sprechen können, über Situationen, in denen sie sich nicht wehren konnten, in denen es ihnen nicht möglich war, Grenzen zu setzen. Alleine, über das Erlebte zu sprechen und zu erfahren, dass man kein Einzelschicksal erlitten hat, sondern dass es sich bei diesem Thema um eine gesellschaftliche Krise handelt – das verändert das Schamgefühl. Die Anteilnahme und die Verbundenheit mit anderen Frauen wirken stärkend“, so beschreibt die 48-jährige Innsbruckerin das, was in ihren Workshops passiert.

Sich selbst behaupten – von klein auf

Derya hat kurdisch-türkische Wurzeln. Nach dem Abschluss des Studiums der Erziehungswissenschaften arbeitete sie als Beraterin in einer Fraueneinrichtung und als Coach für Menschen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben. Zehn Jahre lang hat Derya selbst wöchentlich WenDo trainiert, seit 14 Jahren ist sie Trainerin. Ein „Herzensprojekt“ nennt sie die Kurse. Auch deshalb, weil sie als junge Frau selbst einen Übergriff erlebte. Seit sie Mutter einer inzwischen siebenjährigen Tochter ist, hat das Thema für sie noch mehr an Bedeutung gewonnen. „Über Selbstbehauptung habe ich mit meiner Tochter schon im Alter von vier Jahren sprechen müssen, als sie noch in den Kindergarten ging“, erzählt Derya. „Alle Mädchen und Frauen, egal in welchem Alter, sollten wissen, wie Selbstbehauptung funktio­niert. Und wie sie sich mental und körperlich gegen Übergriffe wehren können.“

Gelebte „Sisterhood“

Bei ihren 12-Stunden-Kursen gehe es um körperliche Aktivität, aber auch darum zu lernen, sich mit der eigenen, innewohnenden Kraft zu verbinden, die Stimme zu erheben, einen Raum klar und deutlich einzunehmen, Grenzen zu setzen und Spaß zu haben. „Innere Kraft ist immer auch äußere Kraft“, sagt Derya mit Nachdruck. Gegenseitige Unterstützung, gelebte „Sisterhood“, Schwesterlichkeit, ist ein zentraler Punkt der Seminare.
„Die Mädchen und Frauen kommen mit unterschiedlichen Belastungen und Ängsten in meinen Kurs. Wenn sie gehen, ist die Angst nicht weg. Aber der Umgang damit hat sich geändert. Wenn sich Frauen mit ihrer inneren Kraft verbinden, können sie Situationen beeinflussen und sind ihnen nicht mehr ausgeliefert, egal, wer ihnen gegenübersteht. Das ist es, was wir in den Kursen erreichen. Jede Frau, die selbstsicher und präsent den Kurs verlässt, macht mich glücklich.“
Infos zum Kurs siehe nebenstehend.
Doris Martinz