Gernot Redel über schmerzhafte Szenarien und Chancen in der Region

 

Was für uns alle unvorstellbar schien, ist dennoch mit Mitte März 2020 eingetreten. Von einem Tag auf den anderen wurde der Wirtschaftszweig Tourismus „runtergefahren“. Während einer bis dahin sehr gut verlaufenen Wintersaison wurde eine Vollbremsung hingelegt. Das Ergebnis in unserer Region ergibt allein im März und April ein Minus von bis zu 90.000 Nächtigungen.
All das war aber nur der Anfang, denn das gesamte öffentliche Leben kam – nicht nur in Tirol – zum Erliegen. Auch wenn es inzwischen erste Lockerungen und Schritte in Richtung Normalität gibt, möchte ich an dieser Stelle einen Ausblick in unsere (touristische) Zukunft wagen.

Derzeit oft gestellte Fragen lauten: Wie geht es weiter? Wie schaut es für den Sommer aus? Zum jetzigen Zeitpunkt ist hier alles spekulativ, denn selbst wenn hier der Corona-Patient Österreich auf dem Weg der Besserung ist, steht und fällt ein funktionierender Tourismus mit der alles entscheidenden Reisefreiheit. Und diese wird wohl noch über Monate hinweg nicht dem bisher gewohnten Normalmaß entsprechen.
Konkrete Auswirkungen für unsere Region könnten folgendem schmerzhaften Szenario entsprechen:
Der Sommer 2020 wird geprägt von deutlichen Rückgängen bei den Übernachtungen, je nach Grenzöffnung müssen wir hier von einem Rückgang von bis zu zwei Dritteln ausgehen.
Gäste aus den ausländischen Hauptmärkten D, NL, GB oder DK können frühestens im Herbst wieder einigermaßen „normal“ in den Urlaub fahren, bis dahin könnten nur inländische Urlauber unsere Region besuchen. Um den Inlandsurlauber entbrennt zwischen den Bundesländern und Regionen ein wahres „Marketinggemetzel“, da das Poten­zial an Gästebetten (rund 1,15 Mio.) das Potenzial an Gästen (rund 8,86 Mio. ÖsterreicherInnen) bei weitem übersteigt.
Veranstaltungen müssen vielfach abgesagt werden oder können nur unter massiven Sicherheitsauflagen und mit limitierter Besucherzahl stattfinden. Ein Knödelfest mit Mund-Nasenschutz erscheint aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar. Die Radweltpokalwoche musste bereits abgesagt werden.
Angebotsseitig könnte die Bedeutung von Platz und Intimsphäre (im Sinne von Abstand) an Bedeutung gewinnen und zum neuen Luxusgut werden.
Soweit in aller Kürze denkbare Auswirkungen mit einer eher negativen, kurzfristigen Perspektive. Aber in jeder Krise stecken ja bekanntlich auch Chancen. Diese haben wir kürzlich in einer Umfrage unter den TVB-Mitgliedern abgefragt. Daraus resultieren zahlreiche positive Aspekte, die uns (nicht nur touristisch) frohen Mutes in die Zukunft blicken lassen. Deutlich mehr als die Hälfte der Rückmeldungen war hier der Meinung, dass wir im Endeffekt mit unserer Region sogar von der Krise profitieren können – warum?
Unsere Region punktet trotz der Lage umgeben von touristischen Zentren mit Natürlichkeit und Naturverbundenheit, mit Regionalität und Tradition sowie Authentizität. Unsere Region bietet neben einer guten Infrastruktur auch ausreichend Rückzugsräume und Ruhe. Viele familiär geführte, kleine und mittlere Betriebe bieten die Möglichkeit, großen Menschenansammlungen auf Wunsch fernzubleiben. Wir sind für all unsere Hauptmärkte D, Ö, NL, CH, aber auch CZ und letztlich auch GB in Autodistanz oder kurzer Flugdistanz und bieten mit den Qualitätsstandards, aber auch mit einer hervorragenden medizinischen Grundversorgung weitere in der Zukunft wohl noch wichtigere Entscheidungsfaktoren. Urlaub in den Bergen, in Tirol und somit in unserer Region könnte mittelfristig, auch im internationalen Vergleich, absolut positiv punkten!
Wir alle sind sicherlich gefordert unsere Hausaufgaben zu machen – mehr Wert auf regionale (inländische) Produkte in der Küche und am Buffet zu legen, die Herzlichkeit beizubehalten und weitere „Yapadu“ Glücksmomente für Gäste, Mitarbeiter und nicht zuletzt uns selbst zu forcieren.
Darüber hinaus bleibt vielleicht auch bei vielen von uns die Erkenntnis, dass ein (nicht) funktionierender Tourismus nicht nur (fast) alle betrifft, sondern ein Thema ist, welches nicht losgelöst betrachtet werden kann.
Tourismus bedeutet die Freiheit des Reisens, Menschen und Kulturen kennenlernen zu können, zu kommunizieren, sich zu unterhalten und dabei auch gut essen zu können, Spaß am Leben zu haben. Und das hat wohl jeder in den letzten Wochen am meisten vermisst. Gernot Riedel

Gezielte Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen
Ein 4-Phasen-Modell unterstützt das „Hochfahren“ des Tourismus in unserer Region:

Phase 1 – in Kontakt bleiben, Vorfreude und Lust auf den nächsten Urlaub wecken

Phase 2 – Region in konkrete Erinnerung bringen, Vorteile eines Urlaubs in unserer Region transportieren, „neue“ Werte vermitteln wie Freiheit, Sicherheit, Autonomie

Phase 3 – Buchungen und Anfragen forcieren, Werte wie Verfügbarkeit, Leistbarkeit und

Phase 4 – Rückkehr zur „Normalität“, jedoch mit teilweise neuen Inhalten und angepassten Formaten, z.B. von Veranstaltungen