Thorsten Peisl und Valentino Barazzuol berichten von einem Gänsehaut-Moment durch den aktuellen technischen Fortschritt.
Eigentlich begann es mit Reklamationen: Einige Mitglieder von „Kitzbühel Digital“ beschwerten sich darüber, dass Informationen über die verschiedenen Tätigkeitsfelder oder Veranstaltungstermine des Vereins schwer zu finden waren. „Der Verein ist jung und am Wachsen. Strukturen müssen erst entstehen, um jeden intern und extern zu erreichen, das ist ganz natürlich“, bestätigt Gründer Thorsten Peisl. Auf der Suche nach einer digitalen Lösung stieß man auf zahlreiche Tools wie WhatsApp, Signal oder Google Drive – doch keines davon passte wirklich, und keines löste das Problem vollständig. Gebraucht wurde eine Plattform, die ganz auf die Bedürfnisse des Vereins zugeschnitten war.
Valentino Barazzuol – aufgewachsen in St. Johann, seit seiner Matura im IT-Bereich selbständig und heute Geschäftsführer der Kitz Support GmbH – hatte eine Idee, wie ein solches digitales Kommunikations- und Verwaltungssystem aussehen könnte: eine Plattform, die Mitgliederverwaltung, Gruppen, Veranstaltungen und interne Kommunikation digital bündelt. „Eine solche Plattform zu bauen, war noch vor wenigen Monaten eine ziemlich große Sache“, weiß Thorsten – ein Projekt, das früher einiges an Zeit und Programmieraufwand verschlungen hätte. Valentino jedoch war überzeugt, dass er es mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz einigermaßen schnell umsetzen könne.
Technik, die sprachlos macht
An einem Freitag im Juni dieses Jahres trafen sich Thorsten, Valentino und Michael Kübel, Vorstandskollege bei Kitzbühel Digital, zum Video-Call. Valentino präsentierte bereits einen ersten Vorschlag – einen „Klick-Dummy“, den er mit KI-Unterstützung ausgearbeitet hatte. Seine Vereinskollegen waren sofort begeistert. Dass sich der Dummy so ohne Weiteres in eine funktionierende Plattform verwandeln lassen würde, damit rechnete jedoch keiner der drei – nicht einmal Valentino selbst, der zwar über viel Erfahrung verfügt, aber noch nie zuvor ein Projekt dieser Größenordnung in so kurzer Zeit umgesetzt hatte.
Und doch: Bereits am Sonntag konnte er Thorsten einladen, sich auf der Plattform als User anzumelden, ein wenig „herumzuspielen“ und erstes Feedback zu geben. Einen Tag später war das Tool weitestgehend fertiggestellt und nach aktuellen Sicherheitsstandards geprüft. Am Dienstag folgte die passende App fürs Mobiltelefon. Tempo und Qualität der Umsetzung machten selbst Profis wie Valentino, der bereits zahlreiche KI-Projekte realisiert hat, und Software-Entwickler Thorsten sprachlos.
Der KI-Agent und sein „Team“
Wie war es möglich, von Freitag bis Dienstag eine ganze Plattform auf die Beine zu stellen? „Ich habe mit einem KI-Agenten gearbeitet, eine Art Abteilungsleiter für das Projekt“, erklärt Valentino. Der Agent nimmt den Input entgegen, bereitet die Informationen auf, sortiert, ordnet und priorisiert sie. Anschließend verteilt er Aufgaben an sein „Team“, die Sub-Agenten, zuständig für Grafik, Datenbank und Cyber-Sicherheit. Diese kommunizieren untereinander, ganz ohne menschliches Zutun. Ist die Arbeit erledigt, kommt das Projekt zurück an den Hauptagenten, der dem Menschen das Ergebnis präsentiert.
„Cool“, sagt Valentino mit leuchtenden Augen. „Das war vor einem halben Jahr noch nicht möglich.“
„Cool, und fast schon unheimlich“, meint Thorsten. „Früher hätte man für ein vergleichbares Projekt mehrere Programmierer:innen gebraucht, man hätte sich viele Male treffen und absprechen müssen, und manche Anwendungen, die die Plattform beinhaltet, hätte man überhaupt nicht umsetzen können.“ Von den Kosten ganz zu schweigen: „Wahrscheinlich hätte man bei so einem Projekt eine viertel bis halbe Million für die Entwicklung gezahlt. Damit wäre es für den Verein natürlich nicht in Frage gekommen.“
Vor einem Jahr, glaubt Valentino, wäre die ganze Sache noch gar nicht umsetzbar gewesen – „früher“ bedeutet für ihn schon: vor sechs Monaten. In dieser kurzen Zeitspanne habe sich eine regelrechte Revolution abgespielt, die für Thorsten durch das Vereinsprojekt erst richtig greifbar wurde. „Ich habe plötzlich die Möglichkeiten gesehen, die sich uns in Zukunft auftun werden. Das ist jetzt der Punkt, an dem die KI richtig greift, an dem sie uns 100-mal effizienter macht. Und das auf einer Qualitätsstufe, die einfach unbeschreiblich ist.“ Dem Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, müsse es so ergangen sein, als er zum ersten Mal den Lichtschalter betätigte, meint er. „Das war ein absoluter AHA-Moment“, bestätigt Valentino. „Schön, dass wir ihn gemeinsam erleben durften“
Was den technologischen Fortschritt angeht, werde gerade Geschichte geschrieben, unterstreicht Thorsten. Ein Wandel finde statt, wie es ihn in dieser Geschwindigkeit noch nie zuvor gegeben habe – und diese Möglichkeiten stünden einer breiten Masse von Menschen zur Verfügung, auch ohne Vorwissen. „KI ist auch dein Privatlehrer und wird dir besser und geduldiger als jeder Mensch zeigen, wie du Technologien für dich nutzen kannst“, stellt Thorsten in Aussicht.
Die nächste Ebene
Valentino beschäftigt in seinem Unternehmen aktuell zwei Mitarbeiter. Wenn die KI-Agenten nun eigentlich die Arbeit erledigen – wird er seine Leute entlassen? „Nein“, winkt er energisch ab. Sein Team könne nun mehr Pensum schaffen und die Wartezeiten für die Kundschaft verringern. „Wir IT-ler schaffen uns nicht selbst ab. Mit KI machen wir noch mehr möglich als zuvor.“
„Software wird sich extrem verändern“, vermutet Thorsten. Seiner Ansicht nach werden wir in Zukunft wohl auch keine Apps mehr benötigen. „Wir werden uns unsere eigene Software bauen, ganz nach unseren individuellen Bedürfnissen. Wir heben uns technisch auf die nächste Ebene. Wenn ich daran denke, wie schnell das ging mit unserem Projekt, bekomme ich Gänsehaut“, sagt Thorsten, und Valentino ergänzt: „KI beschleunigt die Umsetzung enorm – die Verantwortung für Konzept, Sicherheit und Qualität bleibt jedoch beim Menschen.“ „Hier muss man wahrscheinlich regulieren, und die Verfügbarkeit der Systeme wird auch eine Kostenfrage sein“, so Thorsten.
Für die Mitglieder des Vereins gibt es jedenfalls keinen Grund mehr zur Klage.
Michael Kübel ist der Platform Koordinator und ergänzt: „Auf der Plattform finden unsere Mitglieder alle Informationen auf einen Blick, melden sich mit einem Klick zu Veranstaltungen an, erhalten Updates über den Fortschritt der Initiativen, laden Dokumente herunter, tauschen sich in Online-Chats aus oder bringen eigene Ideen mit regionalem Mehrwert ein”. „Unheimlich“ war letztlich nur die kurze Zeitspanne, in der die Plattform entstanden ist. Ihren Nutzen werden wir schon bald als selbstverständlich ansehen – und uns vielleicht fragen: Wie ging es je ohne?
Doris Martinz/KI
