Die Landwirt:innen der Region bereiten sich auf die Gebietsschau des Rinderzuchtverbands vor.

Einen Schönheitswettbewerb der anderen Art gibt es am Sonntag 19.4.2026 auf der Lafferrennbahn in St. Johann.
Dort treten 250 Kühe und 50 Kälber der Rassen Fleckvieh, Fleckvieh gekreuzt mit Red Frisian, Holstein und Jersey bei der Gebietsausstellung des Rinderzucht Tirol – Sprengel 7 („Wilder Kaiser“) gegeneinander an. Die Schönheitsideale bei Kühen sind jedoch ein wenig anders als bei den „Zweibeinern“. Mit einer geraden „Oberlinie“, also einem geraden Rücken, langen, geraden Beinen, gutem Fußwerk, vor allem aber mit einem schönen, großen Euter, bei dem die Milchadern gut sichtbar bis vorne in den tiefen Bauch ragen, wird sich pro Rasse eine Kuh den Sieg und somit einen Hauptpreis sowie eine Siegerschärpe sichern und bis zur nächsten Gebietsausstellung in zirka zehn Jahren den Titel „Miss Wilder Kaiser“ halten.
„Heuer können wir die Veranstaltung endlich durchführen. Letztes Jahr mussten wir sie aufgrund der Maul- und Klauenseuchengefahr um ein Jahr verschieben“, freut sich Gebietskassier Johann Reiter. Gemeinsam mit Gebietsobmann Hannes Schreder aus Kössen sowie den Obmännern der 17 Zuchtvereine, die zum Gebiet „Wilder Kaiser“ zählen, wird bereits seit Jänner 2025 geplant und organisiert. Mit der Lafferrennbahn in St. Johann konnte ein zentraler, großer Veranstaltungsort mit guter Infrastruktur gefunden werden. Aufgrund der großen Tierzahl gibt es zwei unabhängige Preisrichter, ein professioneller Tierfotograf wird die Schau von Beginn bis Schluss begleiten, um die top-gestylten Tiere bildlich festzuhalten. Für die leibliche Verpflegung muss gesorgt sein – natürlich regional, damit die heimische Landwirtschaft auch in Zukunft bestehen kann. Von deftig (Beiried vom Tiroler Jahrling) bis süß (Kuchen und Torten der Bäuerinnen) soll für jeden Geschmack etwas dabei sein. Nicht nur die Aussteller:innen sondern auch die hoffentlich zahlreichen Besucher:innen der Schau werden ihren Nachwuchs mitbringen und so stehen 2 Hüpfburgen, eine Mal­ecke, Luftballone und Co parat.

Schön mit Creme und Sprays

Aber wie werden die Tiere auf diesen großen Tag vorbereitet? Das Wichtigste sei das regelmäßige „Anführen“, also das folgsame Gehen am Halfter. Gerade Tiere aus Laufställen seien das nicht mehr so gewöhnt. Dann werden die Tiere von ihrem Besitzer oder von professionellen Kuh-Stylern geschoren. Am Schautag werden die Missanwärterinnen (es sind nur weibliche Tiere zugelassen) mit Viehanhängern zur Schau gebracht, bei Bedarf an einer der drei Waschstationen nochmals „geduscht“ und dann an den Schauständen noch fertig gestylt. „Die Fellfarbe wird durch Cremen oder Puder hervorgehoben, wer es noch ein wenig dramatischer will, verwendet Glanz- oder Glitzerspray“, erklärt Johann Reiter, der sich auf diesem Gebiet auszukennen scheint.
Um 9:30 Uhr geht es dann los. Die Vorausscheidungen beginnen, und die Tiere werden entsprechend ihres Alters und ihrer Rasse von ihren Haltern in den großen, überdachten Schauring geführt, drehen dort ein paar Runden, bis der die Preisrichter die Reihung der Tiere vornimmt. Für die Gruppensiegerinnen und -reservesiegerinnen geht es ab 15:30 Uhr dann nochmals in den Ring zur Finalrunde.
Aber nicht nur ausgewachsene Kühe mit schönen Eutern werden ausgestellt. Zu Mittag gibt es zwei Ringe mit einer „Bambini-Vorführung“. Kinder haben dort die Möglichkeit ihre Lieblingskälbchen vorzustellen. Diese nutzen sie sehr gerne und so haben sich 50 Teilnehmer:innen angemeldet. „Hier gibt es keine Reihung – dabei sein ist alles und jeder bekommt einen Pokal, einen Wimpel sowie ein Goody-Bag, gesponsert vom Lagerhaus“, führt Hans weiter aus.
Auch die Jugend kann sich im Jungzüchterbewerb messen. Hier geht es vor allem um das professionelle Vorführen und das Stylen der Schautiere.
Die 67 angemeldeten Betriebe erhalten jeweils eine Glocke, die Sieger erhalten Schleifen sowie als Hauptpreis eine geschnitzte Kuh. Zeitnah nach der Ausstellung ist ein gemeinsames Abendessen im Penzinghof geplant, zu dem die Ausstellerfamilien, das Organisationsteam sowie die Helfer:innen eingeladen werden. „Hoffentlich haben wir schönes Wetter, einen unfallfreien Verlauf und viele Besucher, damit sich das alles auch finanziell ausgeht. Ohne Sponsoren wäre sowas heutzutage ohnehin nicht möglich!“, streut der Kassier seinen Geldgebern Rosen.
Wenn man in den Tagen und Wochen vor dem 19.4.2026 auf einem Bauernhof zwischen Waidring und Jochberg, Hochfilzen und Söll sauber geschorene Kühe am Halfter ihre Runden drehen sieht, dann ist es vielleicht die angehende „Miss Wilder Kaiser“.

 

Gebietsschau
Sonntag 19.4.2026
9.30 Uhr
auf der Lafferrennbahn in St. Johann