Primar Dr. Christian Deetjen ist der neue ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses St. Johann i.T.. Über seinen Werdegang und mehr.
Als ihn der inzwischen pensionierte ärztliche Direktor, Primar Dr. Bruno Reiter, 2023 fragte, ob er sein Stellvertreter sein wolle, stimmte Primar Dr. Christian Deetjen zu. Mit einer Einschränkung: Sein Nachfolger würde er gewiss niemals werden, damit brauche man gar nicht erst zu spekulieren, meinte er. Und nun ist er es doch: Primar Deetjen setzte sich gegen drei Mitbewerber durch und ist neuer ärztlicher Leiter im Krankenhaus St. Johann i. T. Wie kam’s? „Man wächst mit der Zeit in die Rolle hinein. Man vertritt den Kollegen, bekommt mehr Einblicke in das große Ganze, übernimmt mehr und mehr Verantwortung und kann auch mehr bewegen. Das alles ist spannender als ursprünglich erwartet“, erklärt der Gynäkologe lächelnd. Unterstützt wird er in seiner Funktion von seinem Stellvertreter, Primar Prof. DDr. Peter Rainer, Leiter der Abteilung für Innere Medizin.
Neue Aufgaben
Gemeinsam mit der kollegialen Führung – mit Verwaltungsdirektor Christoph Pfluger und Pflegedirektor Harald Sinnhuber – sowie Gemeindeverband-Obmann Paul Sieberer stellt Dr. Deetjen nun Überlegungen betreffend die Ausrichtung des Krankenhauses an, er befasst sich mit dem Strukturplan und setzt sich in medizinischer Hinsicht für höchste Qualität ein. Zu seinen Bereichen gehören auch die Sicherung der Gesundheitsversorgung in der Region und vieles mehr. Es gelte, so Dr. Deetjen, die Kooperation mit anderen Häusern zu suchen, Synergien zu nützen, aber auch die Eigenständigkeit zu bewahren und Stärken zu fördern. All diese Aufgaben sind fordernd und interessant. Aber sie sind nicht der eigentliche Grund dafür, dass sich Dr. Deetjen um die Position des ärztlichen Direktors bewarb. „Als ich 2004 ins Haus kam, war ich überwältigt von der Freundlichkeit der Menschen in diesem Haus, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Ich fühlte mich sofort gut eingebunden“, schildert er seine Motivation. Er habe das Haus in den letzten Jahrzehnten von Grund auf kennengelernt und wisse, wo seine Stärken liegen. „Wir sind extrem gut aufgestellt. Ich sehe aber auch, wo es noch Potential gibt. Das war vielleicht mein Vorteil gegenüber den externen Bewerbern.“
Zehn Generationen Medizin
Und was ist er für ein Mensch, der neue ärztliche Direktor? Dr. Deetjen stammt aus einer Arztfamilie: Die Eltern, die drei Geschwister: Alle sind Ärztinnen beziehungsweise Ärzte, alle teilen dieselbe Leidenschaft. Mütterlicherseits blickt man gar auf zehn Generationen Ärzte zurück, Dr. Deetjens Urgroßvater war der erste Kinderarzt in Deutschland. Als sein Vater als erster externer Universitätsprofessor an die Klinik in Innsbruck berufen wurde und dort den Lehrstuhl der Physiologie übernahm, übersiedelte die Familie von München in die Landeshauptstadt. Damals war Dr. Deetjen drei Jahre alt.
Die Medizin war ihm also in die Wiege gelegt. Dass er Gynäkologe werden würde, habe er sich jedoch lange nicht vorstellen können, erzählt der Primar. Dass es so kam, hängt indirekt auch mit seiner Familie zusammen, zumindest mit jener jungen Frau, die sich bei den Deetjens einst mit Babysitten ihr Medizinstudium finanzierte: Sie wurde leitende Oberärztin für Gynäkologie im KH Feldkirch, der Student Christian Deetjen absolvierte einige Famulaturen (Praktika) bei ihr – und ließ sich von ihrer Begeisterung anstecken. „Die Gynäkologie ist ein umfassendes Fach, das so komplexe und fordernde Themen wie Hormone, Kinderwunschbehandlung, Schwangerschaft, Geburtshilfe, Altersgynäkologie und Onkologie umfasst. Man kann sich spezialisieren und trotzdem das ganze Fach noch tiefgreifend erfassen, das ist schon aufregend.“
Leidenschaft Chirurgie
Dr. Deetjen studierte in Innsbruck. Einige Semester absolvierte er in Freiburg, Deutschland, ein Forschungsaufenthalt in Bonn kam noch dazu.
Um noch mehr operieren zu können, gab er die Praxis, die er nach Abschluss seiner Ausbildung eröffnet hatte, auf und kam 2004 an das Krankenhaus St. Johann i. T..
2009 trat er die Nachfolge von Dr. Michael Trockenbacher an und wurde Primar der Gynäkologie. Er etablierte neue chirurgische Methoden und widmet sich seit Jahren intensiv der Beckenbodenchirurgie. Unter seiner Leitung stieg das KH St. Johann zu einem Prüfzentrum für neue Netzimplantate – wie sie beispielsweise bei einer Beckenbodensenkung eingesetzt werden – auf. Die Chirurgie ist Dr. Deetjens Leidenschaft: „Ich habe schon immer gerne gebastelt und mit meinen Händen gearbeitet“, erzählt er und lacht. „Als Kind habe ich an Lego-Wettbewerben teilgenommen.“
Viel Psychologie
Als ärztlicher Leiter wird Dr. Deetjen weiterhin Primar der Gynäkologie bleiben. „Ich bin gut durchgetaktet, man organisiert sich.“ Er würde die Gynäkologie nicht aufgeben wollen, sagt er weiters. Er wolle weiterhin Teil des Teams sein und den Draht zu den Mitarbeiter:innen halten, um das Gefühl für das Haus nicht zu verlieren. Außerdem würde er seine Patientinnen wohl vermissen, meint er. Als Arzt sei es für ihn ungemein motivierend und erfüllend, dass er Menschen helfen kann. In der Geburtshilfe komme viel Psychologie dazu, auch dieser Bereich fasziniert ihn: „Gemeinsam mit den Hebammen eine werdende Mutter betreuen, ihr über die schlimmsten Momente helfen, Hoffnung und Zuversicht geben, und zum Schluss das große Glück miterleben, wenn das Kind da ist, das ist einfach wunderbar!“ Das „große Glück“ erlebte er persönlich auch selbst mehrfach: Er ist verheiratet und dreifacher Vater. Ein Sohn studiert Medizin …
Neben seinen Tätigkeiten im Krankenhaus betreibt
Dr. Deetjen weiterhin an zwei halben Tagen seine Praxis. Kinder, deren Geburt er begleitet hat, sind mittlerweile seine Patientinnen und haben selbst Babys bekommen. Er zögert kurz, bevor er nachdenklich sagt: „Das ist einerseits toll, andererseits sieht man natürlich, wie die Zeit verfliegt.“ 58 Jahre ist Primar Dr. Deetjen alt, und der Ruhestand noch weit entfernt, wie er versichert. Das ist gut so, denn der Primar wird gebraucht.
Erfreuliche Entwicklung
Die Geburtenstation im BKH St. Johann kann auf eine erfreuliche Entwicklung verweisen: Mit über 700 Geburten im Jahr 2025 verzeichnet man um 50 mehr als im Jahr 2024 – und das, obwohl immer weniger Babys geboren werden. Im Bezirk Kitzbühel erblicken jährlich zirka 500 Babys das Licht der Welt. Es entscheiden sich also auch viele Frauen außerhalb der Region für eine Geburt im St. Johanner Krankenhaus. Den Grund dafür sieht Dr. Deetjen auch in der Kinderabteilung: „Da sind wir sehr gut aufgestellt, das vermittelt ein Gefühl der Sicherheit.“
Es gibt noch andere Zahlen, die den ärztlichen Leiter froh stimmen: St. Johann ist in Tirol das Krankenhaus, das 2025 am wirtschaftlichsten geführt wurde und das geringste Defizit zu verzeichnen hatte. Die Weichen für weitere erfolgreiche Jahre sind gestellt.
Doris Martinz
