David Niederacher tritt mit seinen zwölf Jahren in die Fußstapfen seiner Oma: Er hat einen eigenen Youtube-Koch-Kanal erstellt.

Zuerst gibt’s ein Bussi.­ Dann noch abklatschen, und los geht’s: Küchenhexe Anni Oberlechner und ihr Lehrling, Enkelsohn David, nehmen eine frühlingshafte Schoko-Roulade in Angriff. An diesem Tag, an dem wir von der St. Johanner Zeitung dabei sein dürfen, gehen sie gemeinsam ans Werk. David betreibt jedoch bereits seinen eigenen You­tube-Kanal, genau wie seine Oma. „LevelUp Cooking by David“ heißt der „Channel“, ein eigenes Logo hat der Junior-Koch selbstverständlich auch schon. Es sind noch nicht viele Videos hochgeladen, doch es soll nun jeden Monat eines dazukommen. Die Follower, aktuell sind es 84, werden sich freuen, und sie werden schnell mehr werden – davon ist Oma Anni überzeugt: „Der Anfang ist nie leicht, aber wenn die Rezepte passen und die Präsentation, dann wird das funktio­nieren!“ Mit den Rezepten wird sie ihren Enkel selbst versorgen, beim Filmen und Präsentieren hilft Opa Günther. „Ohne unseren Techniker geht nix, auch bei mir nicht“, verrät Anni. Sie betreibt ihren Kanal nun schon seit sechs Jahren, sie hat 650 Videos beziehungsweise Rezepte gepostet und freut sich über 50.000 Abonnent:innen. Zahlen, die dem Junior imponieren, da will er auch hin. Und noch höher hinaus.

Die Sache mit dem Kakao

Aber jetzt startet er erst einmal den Handmixer: „Eeemm, eeemm, Vollgas!“, sagt er lachend und taucht die Mixstäbe in das Eiweiß. „Eiweiß sollte nicht ganz fest geschlagen werden, es soll cremig bleiben. Wenn es ganz steif und fest ist, hat es keine Kraft mehr und kann den Teig nicht anheben“, erklärt Anni. David weiß das, er schaltet rechtzeitig ab. Dann trennt der 12-Jährige mit geübter Hand die Dotter vom Eiweiß. Und doch passiert es: Ein Dotter flutscht in die Schüssel mit dem Eiweiß. „Kein Problem“, meint Anni und fischt den Dotter, der ein wenig zerlaufen ist, heraus. Dafür verwendet sie eine Hälfte der Eierschale. „Die hat so scharfe Kanten, das funktioniert gut“, sagt sie. Es ist tatsächlich so. Aber weil der Dotter eben etwas zerlaufen ist, stellt ihn Anni in einem Schüsselchen zur Seite. Oskar, der Hund der Familie Oberlechner, wird ihn sich später schmecken lassen. „Davon bekommt er ein glänzendes Fell“, sagt Anni und lacht. Oskar, der die Szenerie beobachtet, spitzt die Ohren. Letztes Jahr hat er bei einer Geburtstagsfeier fünf Schoko-Muffins stibitzt. Das bedeutete Lebensgefahr für den Vierbeiner, denn Kakao ist für Hunde absolut giftig. Zum Glück ging alles gut, die Tierärztin konnte helfen.
Menschen vertragen Kakao gottlob gut, in der Schoko-Roulade spielt diese Zutat eine wesentliche Rolle. David mixt nun Dotter und Zucker, bis die Masse hellgelb ist, gibt das Öl dazu und hebt dann das Mehl und den Kakao unter. „Mit der Spachtel ganz hinunter auf den Boden und das Gelbe heraufholen“, weist ihn Anni an. Klar doch, das geht David locker von der Hand. Bevor er vorsichtig auch das geschlagene Eiweiß unterhebt, fügt Anni noch einen Messerspitze Salz hinzu: „Bei jedem süßen Gericht kommt etwas Salz hinein. Und bei jedem pikanten Gericht braucht es etwas Süßes, das macht einen runden Geschmack“, weiß sie. Mit dem fertigen Teig bestreicht David das mit Backpapier ausgelegte Blech, und ab in den Ofen damit.

Die Oma als Vorbild

Damit wir an jenem Tag im März nicht so lange warten müssen, haben die beiden für uns schon eine weitere Roulade vorbereitet, die sie nun vorsichtig entrollen. David streicht die ebenfalls vorbereitete Schokopuddingcreme auf. „Wir arbeiten immer mit beiden Händen“, flüstert ihm dabei Anni ins Ohr. Sofort nimmt David auch seine linke Hand zu Hilfe und hält mit ihr die Roulade fest, während er weiterstreicht. Gibt es vielleicht Situationen, in denen es ihn nervt, dass seine Oma beim Kochen und Backen wirklich alles besser weiß? Sein energisches „Nein!“ kommt wie aus der Pistole geschossen, und Anni lacht.
David kocht für seinen Youtube-Kanal Gerichte, die er selbst am liebsten isst. Currynudeln, selbstgemachte Hühner-Nuggets und Grießnockerlsuppe zum Beispiel. Mit letzterer hat alles angefangen vor sechs Jahren, während der Pandemie. Um sich und den Kindern die Zeit zu vertreiben, drehte die Küchenhexe mit ihren Enkeln Kochvideos. Der ältere der beiden Enkel, Lukas, verfolgte die Idee nicht weiter; seine Leidenschaft ist der Sport, besonders Eishockey. Seine Großmutter jedoch blieb dran. Und auch David fand Gefallen am Kochen und am Drehen von Videos. Er besucht die Mittelschule in St. Johann. Wird er einmal Koch? „Nein, eher nicht“, er schüttelt den Kopf. Erfolgreicher Blogger oder Influencer? Ja, das würde ihm gefallen. Geld mit Videos zu verdienen, wäre sein Ding, meint er. Vielleicht geht es aber auch in Richtung einer IT- Lehre, so begeistert, wie er mit Handy, Kamera und Computer umgeht. In der Schule mag David die Fächer Turnen, Werken, Englisch und Geografie, er spielt gerne Basketball. Und „jongliert“ mit Ei-Dottern, wie er bewiesen hat. Er kann sich vorstellen, auch mal Kochvideos mit seiner Familie, mit Mama Betty und Papa Nik, zu erstellen. Seine Oma, die „Küchenhexe“, ist sein Vorbild. Sie hat schon Pläne für das Mai-Video ihres Enkels: Er soll nach ihrem Rezept eine ganz einfache, aber absolut köstliche Muttertags-Torte herstellen. David nickt, das wird er hinkriegen. „Ich bin mir sicher, dass David immer irgendwie kochen wird, zumindest hobbymäßig“, sagt Anni.

Drehen, drücken, tupfen

Vorerst aber geht es weiter mit der frisch bestrichenen Roulade, die David und Anni nun vorsichtig gemeinsam einrollen. Dann kommt das Verzieren. Die Küchenhexe zeigt ihrem Lehrling, wie man mit dem Spritzbeutel arbeitet, den sie mit der Creme befüllt hat. „Drehen, drücken, tupfen!“ David dekoriert die Roulade noch mit bunten Blüten aus Oblaten, mit Zuckereiern und -karotten, und fertig ist die frühlingshafte Schoko-Roulade. „Wenn wir unter uns wären, hätten wir die Schokopuddingcreme längst gekostet, oder?“, raunt Anni ihrem Enkel zu. Jener nickt, taucht mit dem Zeigefinger in die übrig gebliebene Creme in der Schüssel und leckt dann die Creme genüsslich vom Finger. Seine Oma macht es ihm nach. „Mmmh!“ Und die Roulade, die schmeckt genauso, nämlich einfach himmlisch. Probiert das Rezept gleich aus!

Doris Martinz