Bei Sinnesberger durchlaufen Lehrlinge ein Rotationsprogramm, um alle Abteilungen kennenzulernen.
Warum das cool ist, erzählt Chiara Bergmann.

TikTok – echt jetzt? Ja, die Social-Media-App ist für die Jungen eine wichtige Informationsquelle. Chiara, 16 Jahre alt, sah sich auf dieser Plattform ihren möglichen Arbeitgeber, den Gastro-Großhändler ­
Eurogast Sinnesberger in Kirchdorf, genauer an. Der Auftritt des Unternehmens gefiel ihr. Und weil auch ihre Großcousine bereits bei Sinnesberger arbeitete und nur Gutes berichtete, bewarb sie sich als Lehrling. Das war vor gut eineinhalb Jahren. Nach zwei spannenden Schnuppertagen durchlief sie als Lehrling im Zuge ihrer Ausbildung zur Einzel- und Büro­kauffrau nun bereits einige Abteilungen. Warum ging sie nicht weiter zur Schule? „Das ist nichts für mich, ich will was tun, was bewegen“, sagt sie bestimmt.

Marketing, Buchhaltung, Metzgerei, Nonfood, Lebensmittel und aktuell gerade Getränke: In diesen Bereichen hat Chiara jeweils vier Monate lang gearbeitet und dabei wertvolle Einblicke gewonnen. Nicht nur darüber, wie die Abteilungen funktionieren – sie hat auch die Menschen kennengelernt, die hier arbeiten, und weiß jetzt, wie sie „ticken“ und was sie täglich herausfordert. Bis zum Ende der vierjährigen Lehre folgen noch die Abteilungen Molkerei/Frischdienst, TK (Tiefkühlabteilung) und Lager. Dann hat Chiara das ganze Haus gesehen; sie wird die Zusammenhänge des Großbetriebs mit seinen insgesamt 220 Mitarbeitern (inklusive Tankstelle) verstehen und eine gute Vorstellung davon haben, wie das Unternehmen funktioniert. „Unsere Lehrlinge wissen mehr, als die meisten von uns“, gesteht Marketingleiter Alexander Jurescha lächelnd. Vor allem wird Chiara­ aber wissen, welche Abteilung die „ihre“ ist, was sie am meisten interessiert. Nach aktuellem Stand ist es die Buchhaltung.

Sinnesberger hat viel zu bieten

„Die Leute sind super! Rechnungen und E-Mails schreiben, telefonieren, da und dort aushelfen … jeder Tag schaut anders aus, das finde ich cool“, schwärmt Chiara­ von der Buchhaltung. Sie kann sich gut vorstellen, nach Abschluss ihrer Lehre in dieser Abteilung zu arbeiten. Aber geht das überhaupt, ist in der Buchhaltung ein Platz frei für sie? „Bei Sinnesberger wird darauf geschaut, dass sich die Lehrlinge ausprobieren können und bei uns den Job finden, der ihren Neigungen und Talenten am besten entspricht“, erklärt Alexander. Auch später sei ein Wechsel der Abteilung möglich. „Wir wollen das Know-how der Leute im Betrieb halten. Gerade unsere Lehrlinge wissen sehr viel, und wir haben ihnen auch viel zu bieten.“
Chiara bestätigt das: „Wir Mitarbeiter bekommen gute Rabatte auf das Sortiment und vor allem täglich ein frisch gekochtes Mittagessen um nur 2,50 Euro. Wo gibt’s das sonst schon?“ Chiara schätzt das Mittagessen auch deshalb so sehr, weil sie selbst gerne kocht und weiß, was Lebensmittel kosten. Ihre ersten Erfahrungen mit Kochlöffel und Pfannenheber machte sie mit ihrer Urgroßmutter, viel lernte sie auch von ihrer Mama. Kiachl, Krapfen und Co, das macht sie alles auch selbst. Wenn Fleisch in die Pfanne kommt, dann nur die besten Stücke von Sinnesberger: „Ich war ja schon in der Abteilung und habe gelernt, Fleisch zu zerlegen. Die Qualität ist einfach super, ich kaufe nirgendwo anders mehr ein.“

Die Jugend verstehen

Für Chiara ist auch wichtig, dass sich der Betrieb, in dem sie arbeitet, jung und modern anfühlt. Mit den aktuell sechs weiteren Lehrlingen versteht sie sich sehr gut. „Auch viele Abteilungsleiter sind junge Leute, das finde ich gut“, sagt sie. Das zeige Perspektiven auf.
„Wir checken, was für die jungen Leute heute lässig ist“, erklärt Alexander Jurescha. „Man muss den jungen Menschen etwas bieten, man muss sie verstehen.“ Chiara auf jeden Fall ist motiviert bis in die Zehenspitzen, das sieht man ihr an. Sie arbeitet 38 einhalb Stunden in der Woche. Und die vielzitierte Work-Life-Balance? „Die passt“, sagt sie lachend. Sie kann sich vorstellen, sich in der Buchhaltung später einmal fortzubilden, vielleicht wird sie ja sogar Bilanzbuchhalterin? Wer weiß, Sinnesberger unterstützt Aus- und Weiterbildung in jedem Fall, hält Hierarchien flach und ebnet Mitarbeiter:innen damit viele Wege. Ein ziemlich konkretes Ziel hat Chiara jedoch schon jetzt vor Augen: Sie möchte eines Tages selbst Lehrlingsbeauftragte sein und junge Leute dabei begleiten, wenn sie die Welt bei Sinnesberger entdecken.

Doris Martinz