Angelika Rabel, Schulleiterin am BundesGymnasium St. Johann, darüber, wie sich Schüler:innen, Eltern und das Unterrichten verändern.

Die Kinder sind heute anders, sie sind verhaltenskreativer geworden“, so drückt es Angelika Rabel mit einem Schmunzeln aus. Im Herbst 2025 löste sie Brigitte Krimbacher als Schulleiterin ab – interimistisch, denn in den kommenden Monaten wird die Stelle neu ausgeschrieben. Diese Tatsache spiele aktuell für sie jedoch nur eine untergeordnete Rolle, meint Rabel. Der Fokus liege jetzt erst einmal auf dem zweiten Semester, und vor allem auf den 572 Schüler:innen der Unter- und Oberstufe des Bundesgymnasiums St. Johann.
Es gebe immer wieder Klassen, die ihre Pädagoginnen und Pädagogen richtig fordern, berichtet Angelika Rabel. „Bislang brauchten unsere Kinder wenig pädagogische Betreuung, es ging viel mehr um Wissensvermittlung. Nun wird das Classroom Management immer wichtiger.“ Gutes Classroom Management schaffe die Voraussetzungen für erfolgreichen Unterricht, erklärt Rabel. Es gehe darum, auch schwierige Lerngruppen für die Lerninhalte zu motivieren, Störungen zu vermeiden, klare Grenzen zu setzen und eine gute Arbeitsatmosphäre für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Keine einfachen Aufgaben in Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder und Jugendlichen immer kürzer wird. Und in denen immer mehr von ihnen Lernschwächen oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) mitbringen. „Social Media spielt da schon eine große Rolle“, so die Schulleiterin. Um Ablenkungen möglichst zu vermeiden, werden in der Unterstufe vor dem Unterricht nun die Handys der Schüler:innen eingesammelt und in einem Safe verwahrt. Auch in der Oberstufe ist die Nutzung von Handys während des Unterrichts untersagt. „Absolut zum Wohle der Schüler:innen“, betont Rabel. Leider würden das nicht alle Eltern so sehen. Tatsächlich sei es gerade der Umgang mit manchen Eltern, der sie als Schulleiterin am meisten fordere, gesteht Rabel.

Der Jobmarkt verändert sich rasant

„Das Problem ist, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder generell von jeder Verantwortung und von jeder möglichen Schuld freisprechen. Wir sollen in der Schule Erziehungsarbeit übernehmen, aber wenn wir es tun, regt sich Widerstand. Das macht es manchmal schwierig“, berichtet Angelika Rabel. Sie ist selbst Mutter von zwei Söhnen im Alter von 15 und 17 Jahren. „Ich weiß, dass meine Buben nicht immer alles richtig machen, natürlich machen sie Fehler, das ist doch ganz normal. Wichtig ist, wie man damit umgeht.“ Diese Rasenmähereltern, die ihren Kindern alle Hindernisse aus dem Weg räumen, würden freilich nur einen kleinen Teil der Familien betreffen, räumt Rabel ein. „Doch sie werden mehr, und sie sind viel lauter als der Großteil der Eltern, mit denen die Zusammenarbeit ausgezeichnet funktioniert.“
Der Schultyp an sich erfreue sich weiterhin großer Beliebtheit, zeigt sich Rabel zufrieden. Den Vorteil der AHS, der Allgemeinbildenden Höheren Schule, zu denen das Gymnasium gehört, sieht sie in der breiten, umfassenden Allgemeinbildung, die hier vermittelt wird. „Der Jobmarkt verändert sich gerade rasant schnell, Robotik und Künstlicher Intelligenz lassen ganze Berufsbilder verschwinden. In solchen Zeiten ist es wichtig, sich möglichst lange alle Wege offen zu lassen, auch die kreativen Zugänge. Genau davon profitieren unsere Schüler:innen“, erklärt Rabel.
Sie selbst besuchte nach der Unterstufe im Gymnasium St. Johann mit der HAK in Kitzbühel eine BHS, eine Berufsbildende Höhere Schule. „Weil mein Vater dort Lehrer war und auch mein Bruder schon dort zur Schule ging“, klärt sie mich mit einem Augenzwinkern auf. Als junge Lehrerin habe sie sogar Vorbehalte gegen den Schultyp der AHS gehabt, gibt die 47-jährige Schulleiterin zu. Die Jahre am Gymnasium haben jene gründlich ausgeräumt. Auch aus persönlichen Gründen: „Für mich selbst wäre es eventuell in Frage gekommen, Musik zu studieren. Aber an der BHS verlor ich den Anschluss, das bedaure ich heute noch.“

Positiven Einfluss nehmen

Dass Rabels Weg in die Pädagogik führen würde, war recht schnell klar. „Ich habe bei meinem Vater gesehen, dass man es als Lehrer manchmal recht gemütlich haben kann. Aber als ich dann selbst in der Klasse stand, habe ich festgestellt, dass es gar nicht so gemütlich ist,“ sagt sie lachend. Die Hochfilzenerin studierte in Wien, unterrichtete danach die Fächer Englisch und Geografie in Gänserndorf und Tulln und kam 2011 mit ihren beiden Buben zurück in ihren Heimatort. Der jüngere war erst zehn Monate alt, als sie ihre Lehrtätigkeit am Gymnasium in St. Johann aufnahm. „Inzwischen habe ich hier meine Heimat gefunden.“ Angelika Rabel sagt, sie genieße es sehr, die Schüler:innen am Gymnasium acht Jahre lang von ihrer Kindheit bis zur Matura und damit bis zum jungen Erwachsenenalter zu begleiten. „Als Lehrperson hat man schon Einfluss auf die Entwicklung der jungen Leute, das ist schön, da weiß man, warum man sich für den Lehrberuf entschieden hat“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Als Klassenvorständin hat sie bereits einige Klassen in die Welt hinaus entlassen. „Mit denen stehe ich immer noch in Kontakt, viele meiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler treffe ich jedes Jahr mindestens einmal.“

Wer nichts weiß, muss der KI glauben

Schüler:innen seien heute nicht nur „verhaltenskreativer“ geworden, sie würden im positiven Sinne auch einige Kompetenzen mitbringen, die früher nicht so ausgeprägt vorhanden waren, so Angelika Rabel. Viele verfügen über ein sehr gutes, sicheres Auftreten und tun sich leicht damit, sich und ihre Projekte zu präsentieren. Ein breites, allgemeines Grundwissen sei freilich unverzichtbar, gerade auch im Umgang mit KI: „Künstliche Intelligenz kann man nur vernünftig einsetzen, wenn man in der Lage ist, Dinge zu hinterfragen und man weiß, wenn etwas nicht stimmen kann.
Wer nichts weiß, muss alles glauben, was die KI behauptet – und das ist sehr problematisch“, so Rabel.
Aus- und Weiterbildung ist deshalb auch für sie persönlich ein Muss: „Den Schritt in die Schulleitung und damit in die erste Reihe habe ich unter anderem auch gemacht, um mich selbst weiterzuentwickeln. In dieser Position ist man angreifbarer. In den ersten Monaten habe ich schon einige Dinge erlebt und mir gedacht, ich sollte mir eine dickere Haut zulegen. Man lernt viel dazu“, erzählt Angelika Rabel aus ihrem Alltag. Sie spiele in der Schule jeden Tag Feuerwehr, meint sie scherzhaft.
In der Unterstufe hat sich zuletzt viel getan, sie will nun auch in der Oberstufe einige Änderungen anstoßen. „Da kommen neue Konzepte, an denen wir im Schulentwicklungsteam gerade arbeiten“, verrät sie. Konkreter will sie nicht werden. Noch nicht. Wir bleiben auf jeden Fall dran …

Doris Martinz