St. Johanns Bürgermeister Stefan Seiwald über die Stimmung im Ort und das, was 2026 kommt.

Es sollte langsam bergauf gehen, auch wenn der Weg heuer noch nicht ganz steil nach oben führt“, antwortet Stefan Seiwald auf meine Frage nach seiner Prognose für 2026. Jedenfalls sei die Stimmung im Ort besser als in den letzten Jahren, bei vielen Menschen habe sich vorsichtiger Optimismus eingestellt, berichtet er. „Man hört weniger jammern, alles läuft ein wenig ruhiger.“
Richtig „ruhig“ wird es in der Gemeinde heuer aber nicht werden, denn die aktuellen­ Zeiten bringen für Kommu­nen einige Herausforderungen: Sie bekommen vom Land Tirol immer mehr Aufgaben zugeteilt, das Geld dafür müssen sie jedoch selbst aufbringen. Das betrifft die Kindererziehung genauso wie die Pflege, Krankenhaus­finanzierungen und den Straßen- und Infrastrukturbau. „Wir können in St. Johann mit dieser Situation – noch – umgehen, weil wir unsere Mittel vorausblickend und effizient eingesetzt haben und jetzt nicht ganz so drastische Schritte setzen müssen“, beruhigt der Ortschef. Als Beispiel führt er die Nettoverschuldung des Ortes an: Jene konnte von über 18 Millionen im Jahr 2012 auf knapp zwei Millionen im Jahr 2025 abgebaut werden. „Es ist uns sogar gelungen, Rücklagen für härtere Zeiten aufzubauen; diese werden wir aller Voraussicht nach auch in den nächsten zwei bis drei Jahren, in denen es nicht so rosig aussieht, auch zu einem Teil brauchen.“

Große Projekte

2025 konnte im Rahmen des Masterplans Ortskern der Verbindungsweg zwischen Bahnhof und Ortsmitte feierlich eröffnet werden, „und endlich haben wir das Dechantgassl – die Verbindung zwischen dem Postamt und dem BTV-Parkplatz – neu gestalten können“, zeigt sich Stefan Seiwald erleichtert. Heuer soll dann auch die „Geign“, das alte Gebäude beim Dechantgassl, das sich im Besitz der Kirche befindet, wiederbelebt und zum Ort der Begegnung werden.
Beim „Haus der Generationen“ ist inzwischen alles auf Schiene: In wenigen Wochen – je nach Wetterlage – wird man mit dem Bau des größten Sozialprojekts, das in der Marktgemeinde jemals umgesetzt wurde, beginnen. „Endlich werden wir betreutes Wohnen in St. Johann haben, die Lebenshilfe, das Mädchen- und Frauenberatungszentrum, die Schützen, die Sportschützen, die Computeria sowie neue Kinderkrippengruppen einen Platz bekommen“, so der Bürgermeister voller Vorfreude.
Auch das neue Koasastadion ist im Entstehen begriffen. Das neue Gebäude ist multifunktional angelegt und wird Sportvereinen, Sportgruppen, Schulen, aber auch Veranstaltungen ein Zuhause bieten. Und: „Hier bekommt auch die Bergrettung ein modernes Einsatzzentrum, das ist überfällig!“
Bewegung kam letztes Jahr endlich auch in die seit 2016 klaffende „Löwengrube“.
„Dass ein so prominenter Platz mitten in St. Johann so lange Zeit brach lag, war deprimierend. Als Gemeinde­ konnten wir aber nur wenig bis gar nichts dazu beitragen, den Schandfleck wegzubekommen. Ich glaube, dass jetzt nicht nur ein Ende in Sicht ist, sondern sogar ein großer Lichtblick und ein tolles Projekt, das für ganz
St. Johann eine Bereicherung sein kann“, zeigt sich der Ortschef optimistisch.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Große Projekte sind also im Entstehen, beim Thema Verkehr hakt es aber weiterhin. Man habe zwar einiges verbessern können, etwa durch intelligente Verkehrsanalyse und Leitsysteme. Die „großen Lösungen“ für die Egger-­­­­und die Bacherkreuzung, die dringend notwendig für die Sicherheit sind, befinden sich jedoch nach wie vor in der Warteschleife. „Einerseits – speziell bei der Eggerkreuzung – gibt es nach wie vor keine Einigung zwischen dem Land Tirol und den Grundeigentümern. Zudem zeigt das Land offensichtlich aus Spargründen keine riesigen Ambitionen, zügig voranzugehen“, ärgert sich Seiwald und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Bei der Sicherheit darf man nicht sparen, auch nicht in Zeiten wie diesen. Da würden mir ein paar andere Beispiele einfallen, wo man mehr sparen könnte.“ Die Gemeinde bleibe jedenfalls dran.

Gewerbegebiet

In Konsequenz des Ergebnisses der Bürgerbefragung sucht man aktuell mit Hochdruck nach Alternativlösungen zum ursprünglich geplanten Gewerbegebiet Unterbürg. „Es ist vollkommen klar, dass wir Betrieben Möglichkeiten bieten müssen, in St. Johann bleiben oder sich hier ansiedeln zu können. Ob wir das zukünftig schaffen oder nicht – daran hängen Arbeitsplätze, Familieneinkommen, und aber auch wichtige Einnahmen für die Marktgemeinde. Die Zeit drängt: Bereits zwei Betriebe haben sich anders orientiert und haben St. Johann verlassen, ein dritter ist kurz davor“, erläutert Stefan Seiwald.
Dass aus einer schwierigen Lage auch Positives entstehen kann, dafür stehe das Projekt des ehemaligen Schlachthofs in St. Johann, so der Ortschef: Hier soll neben gewerblicher Nutzung Platz für alle Generationen geschaffen werden mit Darts, Billard, Kegeln und anderen Aktivitäten.
Seiwalds Fazit: „Alles in Allem sind wir – so glaube ich – gut durch das Jahr 2025 gekommen. Wir haben im Gemeinderat vor allem sehr gut zusammengearbeitet, wirklich Sachpolitik betrieben und nach bestem Wissen und Gewissen für St. Johann gearbeitet. Das ist vielleicht das Wichtigste in schwierigeren Zeiten. Und dafür kann ich allen, die dazu beitragen, nicht oft genug danken. Deshalb bin ich auch zuversichtlich für das Jahr 2026.“

Doris Martinz